Die Struktur und Professionalität des aufgedeckten Betrugsnetzwerks offenbaren die wachsende Raffinesse organisierter Cyberkriminalität in Europa. Das Netzwerk beschäftigte Operatoren in Teams von sechs bis acht Personen, die nach Sprachen organisiert waren – darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch und Spanisch. Jeder Operator erhielt ein monatliches Grundgehalt von etwa €800 plus leistungsbezogene Provisionen. Teamleiter überwachten täglich die Aktivitäten, während Call-Center-Manager die gesamte Operation koordinierten.
Die kriminelle Methodik folgte einem bewährten Schema: Potenzielle Opfer wurden durch Werbung auf Google und Facebook auf gefälschte Kryptoinvestitionsplattformen gelockt. Dort wurden ihnen sogenannte „Retention Agents” zugewiesen – Betrüger, die sich als professionelle Broker und Investmentberater ausgaben. Diese Agenten nutzten häufig Remote-Access-Software, um die Geräte der Opfer zu kontrollieren, und setzten psychologischen Druck ein, um zusätzliche Einzahlungen zu erzwingen. Die eingezahlten Gelder wurden jedoch niemals investiert, sondern in internationale Geldwäscheschemas kanalisiert.
Besonders perfide: Nach erfolgreichem Betrug kontaktierten die Kriminellen ihre Opfer erneut und boten ihnen an, die verlorenen Gelder zurückzuholen – gegen eine Gebühr von €500 in Kryptowährung. Dies führte zu einer zweiten Betrugswelle gegen bereits geschädigte Personen.
Bei der Razzia beschlagnahmten die Behörden €891.735 in bar, 443 Computer, 238 Mobiltelefone, 6 Laptops und verschiedene Speichergeräte. Opfer wurden in Italien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Kanada und Großbritannien identifiziert.
Diese Operation ist Teil einer europaweit verstärkten Bekämpfung von Kryptobetrug. Erst im Juli 2024 zerschlug die spanische Polizei ein ähnliches Netzwerk, das über €460 Millionen von mehr als 5.000 Opfern gestohlen hatte. Diese Fälle zeigen ein besorgniserregendes Muster: organisierte Kriminalität nutzt Lücken in der digitalen Finanzwelt, um systematisch europäische Bürger und Unternehmen auszubeuten. Das BSI warnt regelmäßig vor solchen Betrugsschemata und empfiehlt erhöhte Wachsamkeit bei unaufgeforderten Investitionsangeboten.
