Nach Angaben von Europol soll das kriminelle Netzwerk mehrere Callcenter in Tirana, Albanien, betrieben haben. Der dadurch verursachte finanzielle Schaden belaufe sich auf mindestens 50 Millionen Euro. Die Callcenter seien professionell aufgebaut und organisiert gewesen und hätten legitimen Unternehmensstrukturen mit klarer Rollenverteilung und hierarchischer Leitung geähnelt.

Innerhalb der Organisation überwachten Teamleiter das Tagesgeschäft, während Callcenter-Manager die Teamleiter und die Abläufe insgesamt koordinierten und steuerten. Die Mitarbeiter arbeiteten in Teams von sechs bis acht Personen, die nach Sprache eingeteilt waren – darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch und Spanisch. Sie erhielten ein monatliches Gehalt von rund 800 Euro zuzüglich leistungsabhängiger Provisionen.

Die Masche folgte einem festen Ablauf: Über Anzeigen in Suchmaschinen und sozialen Netzwerken wurden Opfer auf gefälschte Krypto-Anlageplattformen geleitet. Dort betreuten sie sogenannte „Retention-Agenten“, die sich als professionelle Broker und Anlageberater ausgaben. Diese Agenten verwalteten die Anlagekonten der Opfer, übernahmen über Fernzugriffssoftware häufig die Kontrolle über deren Geräte und brachten sie mit psychologischem Druck dazu, weitere Einzahlungen zu leisten.

Investiert wurde das Geld jedoch nie. Stattdessen floss es über ein internationales Geldwäschesystem auf die Konten des Netzwerks. In einer zweiten Stufe kontaktierten die Täter ihre Opfer erneut, boten an, die verlorenen Gelder zurückzuholen, und verlangten dafür eine Gebühr von 500 Euro in Form einer Krypto-Einzahlung – und betrogen sie so ein zweites Mal.

Die Ermittlungen hatten im Juni 2023 in Wien begonnen. Betroffene wurden in Italien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Kanada und dem Vereinigten Königreich identifiziert.

Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Aktionen europäischer Behörden ein. Im März 2022 wurde ein großes Callcenter-Netzwerk für Anlagebetrug ausgehoben, das 200 „Trader“ beschäftigte und seinen Opfern monatlich mindestens drei Millionen Euro stahl. Im vergangenen Jahr nahmen Ermittler mehrere Callcenter in ganz Europa hoch, die einer auf Online-Anlagebetrug spezialisierten Organisation zugeordnet wurden und mit Verlusten in Millionenhöhe in Verbindung standen – Betrugsformen, die auch als „Pig Butchering“ bekannt sind. Im Mai wurden zudem zwölf Betrugs-Callcenter geschlossen, die mit tausenden täglichen Betrugsanrufen verbunden waren. Im Juli zerschlug die spanische Polizei ein Krypto-Betrugsnetzwerk, das mehr als 460 Millionen Euro von über 5.000 Opfern gewaschen haben soll.