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Europäische Polizei zerschlägt €50-Millionen-Kryptobetrug mit 450 Beschäftigten

Europäische Polizei zerschlägt €50-Millionen-Kryptobetrug mit 450 Beschäftigten
Zusammenfassung

Europäische Behörden haben ein kriminelles Betrugsnetzwerk zerschlagen, das mindestens 50 Millionen Euro von Opfern weltweit gestohlen hat. Die gemeinsame Operation der österreichischen und albanischen Polizei, unterstützt durch Europol und Eurojust, führte zur Verhaftung von zehn Verdächtigen und zur Stilllegung von professionell organisierten Call-Centern in Tirana. Das Betrugssystem ähnelte einem legitimen Unternehmen mit bis zu 450 Mitarbeitern, die in verschiedenen Abteilungen tätig waren. Die Opfer wurden über gefälschte Kryptowährungsinvestitionsplattformen gelockt, denen sie durch fingierte Finanzberater Gelder überwiesen, die niemals angelegt wurden. Besonders perfide war die Sekundärbetrugsmasche, bei der die Kriminellen den bereits geschädigten Opfern erneut Geld für vermeintliche Wiederherstellungsservices abnahmen. Das Netzwerk beschäftigte spezialisierte Teams für verschiedene Sprachen, darunter Deutsch, Englisch und Italienisch. Der Fall verdeutlicht die systematische Professionalisierung von Betrugsbanden und betrifft deutsche Nutzer und Unternehmen erheblich, da das Netzwerk gezielt Opfer in Deutschland, Italien und anderen EU-Ländern ins Visier nahm. Diese Betrugsmaschen zeigen, wie wichtig digitale Wachsamkeit und Verbraucheraufklärung im deutschsprachigen Raum sind.

Die Struktur und Professionalität des aufgedeckten Betrugsnetzwerks offenbaren die wachsende Raffinesse organisierter Cyberkriminalität in Europa. Das Netzwerk beschäftigte Operatoren in Teams von sechs bis acht Personen, die nach Sprachen organisiert waren – darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch und Spanisch. Jeder Operator erhielt ein monatliches Grundgehalt von etwa €800 plus leistungsbezogene Provisionen. Teamleiter überwachten täglich die Aktivitäten, während Call-Center-Manager die gesamte Operation koordinierten.

Die kriminelle Methodik folgte einem bewährten Schema: Potenzielle Opfer wurden durch Werbung auf Google und Facebook auf gefälschte Kryptoinvestitionsplattformen gelockt. Dort wurden ihnen sogenannte „Retention Agents” zugewiesen – Betrüger, die sich als professionelle Broker und Investmentberater ausgaben. Diese Agenten nutzten häufig Remote-Access-Software, um die Geräte der Opfer zu kontrollieren, und setzten psychologischen Druck ein, um zusätzliche Einzahlungen zu erzwingen. Die eingezahlten Gelder wurden jedoch niemals investiert, sondern in internationale Geldwäscheschemas kanalisiert.

Besonders perfide: Nach erfolgreichem Betrug kontaktierten die Kriminellen ihre Opfer erneut und boten ihnen an, die verlorenen Gelder zurückzuholen – gegen eine Gebühr von €500 in Kryptowährung. Dies führte zu einer zweiten Betrugswelle gegen bereits geschädigte Personen.

Bei der Razzia beschlagnahmten die Behörden €891.735 in bar, 443 Computer, 238 Mobiltelefone, 6 Laptops und verschiedene Speichergeräte. Opfer wurden in Italien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Kanada und Großbritannien identifiziert.

Diese Operation ist Teil einer europaweit verstärkten Bekämpfung von Kryptobetrug. Erst im Juli 2024 zerschlug die spanische Polizei ein ähnliches Netzwerk, das über €460 Millionen von mehr als 5.000 Opfern gestohlen hatte. Diese Fälle zeigen ein besorgniserregendes Muster: organisierte Kriminalität nutzt Lücken in der digitalen Finanzwelt, um systematisch europäische Bürger und Unternehmen auszubeuten. Das BSI warnt regelmäßig vor solchen Betrugsschemata und empfiehlt erhöhte Wachsamkeit bei unaufgeforderten Investitionsangeboten.