Anders als Shors Algorithmus, der modulare Exponentiation auf dem Quantencomputer ausführt, verlagert JVG einen erheblich größeren Teil der Arbeit auf klassische Rechner und erledigt diesen Schritt klassisch. Beide Verfahren sind hybrid und nutzen Quantenrechner für die Frequenzanalyse. Während Shor dafür die quantenmechanische Fourier-Transformation (QFT) einsetzt, verwendet JVG die quantenmechanische zahlentheoretische Transformation (QNTT), die laut den Entwicklern fehlertoleranter ist und weniger Qubits benötigt.

In einer zugehörigen Forschungsarbeit von Professor Jesse Van Griensven heißt es, eine Hochrechnung für RSA-2048 zeige, dass JVG Shors Ansatz deutlich übertreffe und unter identischen Skalierungsannahmen eine projizierte Quantenlaufzeit von elf Stunden für eine Faktorisierung erreiche. JVG sei damit ein hardwarekompatiblerer und robusterer, rauschtoleranter Ersatz für Shors Rahmenwerk. Die Arbeit beziffert die Reduktion der gesamten Quantengatteranzahl gegenüber der vollständigen Shor-Faktorisierungspipeline bei denselben getesteten Instanzen auf mehr als 99 Prozent.

Der Name JVG steht für die drei Hauptautoren: Jesse Van Griensven, Victor Oliveira Santos und Bahram Gharabaghi. Nir (Benda) Ben-David, Gründer und CEO des israelischen Unternehmens Qombat Ltd., kommentierte, Van Griensven habe einen Algorithmus entwickelt, der alles verändern werde, was man über Cybersicherheit wisse.

Einschränkend ist zu beachten, dass Shors Algorithmus seit vielen Jahren getestet und analysiert wird, während JVG sehr neu ist und noch nicht im selben Umfang überprüft wurde. Ein direkter Vergleich beider Verfahren hat etwas von Äpfeln und Birnen, weshalb die aktuelle Ankündigung zunächst als Behauptung einzuordnen ist.

Auch wenn sich die Behauptungen nicht vollständig bestätigen sollten, leiten die Autoren daraus eine neue Dringlichkeit für die Migration zur Post-Quanten-Kryptografie ab. Als schnellster Weg gilt die Krypto-Agilität – die Fähigkeit, kryptografische Verfahren auszutauschen, ohne ganze Systeme neu zu bauen – kombiniert mit der frühzeitigen Einführung quantenresistenter Standards in Netzwerken, Geräten und Software-Lieferketten.

Empfohlen werden drei Schritte: zu ermitteln, wo Public-Key-Verfahren eingesetzt werden; klare Post-Quanten-Fahrpläne von Herstellern und Dienstleistern einzufordern, besonders bei Produkten mit langen Austauschzyklen; und krypto-agile Designs umzusetzen, damit neue PQC bei Bedarf eingeführt werden kann. Van Griensven betont, die Lehre aus JVG sei, dass sich der Zeitplan nicht nur durch Fortschritte bei der Hardware beschleunige, sondern auch durch bessere Algorithmen – weshalb Post-Quanten-Upgrades als dringende Infrastrukturarbeit zu behandeln seien.