Die Betroffenenzahlen zeigen ein dramatisches Wachstum des Phänomens: Die Anzahl bestätigter Frachtdiebstähle stieg um 18 Prozent, während der durchschnittliche Wert pro Diebstahl um 36 Prozent auf 273.990 Dollar anwuchs. Dies deutet auf eine bewusste Strategie hin — Kriminelle wählen ihre Ziele zunehmend gezielt nach Warenwert aus.
Die Angriffsmechaniken folgen einem etablierten Muster: Cyberkriminelle senden Phishing-E-Mails und gefälschte Links an Mitarbeiter von Frachtmaklern und Spediteuren. Gelingt der Zugriff, installieren sie Remote-Access-Tools, um unbemerkt in den Systemen zu operieren. Anschließend posten sie massenhaft gefälschte Frachtangebote auf digitalen Load-Board-Plattformen — jene Online-Marktplätze, auf denen Versender, Makler und Transportunternehmen täglich Ladungen vermitteln. Sie geben sich als legitime Unternehmen aus, leiten Lieferungen um oder zwingen Fahrer, die Fracht an Komplizen abzugeben.
Besonders perfide: Cyberkriminelle ändern auch die Registrierungsdaten der gehackten Spediteure beim Federal Motor Carrier Safety Administration und manipulieren Versicherungsunterlagen. Damit wird es schwieriger, dass Unternehmen den Diebstahl schnell bemerken — erst wenn Makler Ladungen melden, die angeblich bereits gebucht wurden.
Ein konkretes Beispiel ist die Gruppe "Diesel Vortex", die seit September 2024 phishing-basierte Credential-Diebstähle gegen Fracht- und Logistikbetriebe in den USA und Europa durchführt. Die Gruppe nutzte über 52 Domains in ihrer Kampagne.
Das FBI empfiehlt Schutzmassnahmen: Verifizierung aller Frachtaufträge über separate Kommunikationskanäle, Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), Zwei-Faktor-Überprüfung unerwarteter Anfragen und detaillierte Fahrzeug- sowie Fahrerkennzeichnung. Opfer sollten auch bei der Internet Crime Complaint Center (IC3) Beschwerde einreichen.
Für Deutschland ist relevant: Solche Anschläge können DSGVO-Meldepflichten auslösen. Unternehmen, die Kundeninformationen verlieren, müssen innerhalb von 72 Stunden die Datenschutzbehörden benachrichtigen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sollte ähnliche Warnungen für deutsche Logistikfirmen ausgeben.
