Im Zentrum der Angriffe stehen sogenannte Load Boards – Online-Marktplätze, auf denen Lkw-Betreiber, Verlader und Frachtmakler Aufträge einstellen und übernehmen. Laut FBI verschaffen sich die Täter Zugang zu diesen Plattformen, indem sie Makler per E-Mail imitieren und gefälschte Adressen nutzen. Über schädliche Links gelangen sie schließlich in die Systeme der Makler oder Transportunternehmen.
„Kriminelle Bedrohungsakteure greifen auf die Load Boards der Speditionsbranche zu, geben sich dort mithilfe kompromittierter Carrier-Konten als Makler aus und stellen zusätzliche gefälschte Ladungen ein – mitunter Zehntausende“, schreibt das FBI. Seriöse Transportunternehmen böten auf diese Scheinaufträge und nähmen Kontakt zu den Tätern auf, die ihnen daraufhin eine schädliche Maklervereinbarung zukommen ließen und so deren Computersysteme kompromittierten.
Anschließend treten die Kriminellen unter dem Namen des gekaperten Transportunternehmens auf und nehmen Sendungen an, die über die Load Boards ausgeschrieben werden. In manchen Fällen betreiben sie das sogenannte „Double-Brokering“: Sie schalten eine zusätzliche Station in die Lieferkette und lassen einen ahnungslosen Fahrer eine Sendung an einen anderen als den eigentlichen Zielort bringen, wo die Täter die Ware abholen.
Das FBI berichtet sogar von Fällen, in denen Cyberkriminelle die Kontaktdaten des legitimen Transportunternehmens bei der Federal Motor Carrier Safety Administration änderten und Versicherungsangaben anpassten, um Ladungen zu übernehmen, die das Unternehmen zuvor nicht akzeptiert hatte. Betroffene Firmen bemerkten den Einbruch oft erst, wenn Makler sich wegen verschwundener, auf ihren Namen gebuchter Fracht bei ihnen beschwerten.
Das Ausmaß ist erheblich: Die Täter brechen seit rund zwei Jahren in die Systeme von Maklern und Speditionen ein. Ein Vape-Hersteller verlor im vergangenen Jahr laut Bloomberg Produkte im Wert von einer Million US-Dollar durch einen solchen Vorfall. Eine anonyme Quelle, die bei einem Autohändler in New York arbeitet, berichtete Recorded Future News, dass die Angriffe für Autohändler zu einer großen Sorge geworden seien; in den vergangenen 16 Monaten seien mehrere aus dem Ausland verschiffte Fahrzeuge gestohlen worden.
Das FBI warnt zudem, dass manche Täter gestohlene Fracht nutzen, um von Maklern Lösegeld für die Ladung zu fordern. Betroffene wurden per E-Mail und Telefon kontaktiert, in einigen Fällen über ausländische Rufnummern.
