Laut Minister Mutati werde „zusätzliche Zeit benötigt, um sicherzustellen, dass alle Vorbereitungsprozesse vollständig mit den nationalen Verfahren, diplomatischen Protokollen und dem übergeordneten Ziel einer ausgewogenen und konsensorientierten Dialogplattform übereinstimmen". Die Regierung beabsichtige lediglich, die Veranstaltung zu verschieben. Ob die ohnehin finanziell angespannte globale Menschenrechtsszene oder Access Now zu einer neu angesetzten Konferenz anreisen kann oder will, ist allerdings offen.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Organisationen durch die Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID finanziell geschwächt sind, was eine Reise nach Sambia zusätzlich erschwert.
Sambische Stellen führten ihre Begründung am Mittwoch weiter aus: Der Sekretär für Information und Medien, Thabo Kawana, schrieb in einem Facebook-Beitrag, die Absage sei „durch die Notwendigkeit einer umfassenden Offenlegung wesentlicher Informationen zu zentralen thematischen Fragen, die zur Diskussion vorgeschlagen wurden, erforderlich" geworden.
Die für Meinungsfreiheit eintretende Organisation ARTICLE 19 erklärte in einer Pressemitteilung, ihr seien „Behauptungen bekannt, viele davon gut belegt, wonach Druck ausländischer Regierungen zur Entscheidung der sambischen Regierung beigetragen hat". Ein lokales Nachrichtenportal berichtete unter Berufung auf Quellen, die Konferenz sei abgesagt worden, weil das Programm „taiwanesische Delegierte einbinde, die womöglich gegen China sprechen würden – an einem Veranstaltungsort, der von der chinesischen Regierung gestiftet wurde". RightsCon hatte 2025 in Taiwan stattgefunden.
Recorded Future News konnte diese Aussagen nicht unabhängig überprüfen, fand jedoch Hinweise auf eine finanzielle Beteiligung der chinesischen Regierung am vorgesehenen Veranstaltungsort. China stellte laut einem Forschungslabor des College of William & Mary, das chinesische Auslandsinvestitionen verfolgt, einen Zuschuss von 30 Millionen US-Dollar für den Bau des Mulungushi International Conference Center bereit. Die sambische Botschaft in Washington reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Erstmals berichtet hatte 404 Media über die Absage.
Die sambische Regierung geht seit einigen Jahren verstärkt gegen die Meinungsfreiheit vor. Im vergangenen Jahr verabschiedeten Abgeordnete ein Gesetz, das laut Menschenrechtsvertretern die freie Rede einschränkt und staatlicher Überwachung Tür und Tor öffnet. Die Organisation Freedom House, die Länder anhand ihrer Menschenrechtsbilanz bewertet, stufte Sambia in ihrem jüngsten Bericht „Freedom of the Net" als „teilweise frei" ein und verwies darauf, dass das Land Regierungskritiker für Online-Äußerungen inhaftiert hat.
„Das ist ein schwerer Angriff auf die Zivilgesellschaft, die globale wie die lokale", schrieb David Kaye, früherer UN-Sonderberichterstatter für Meinungs- und Redefreiheit, in den sozialen Medien. „Tausende Menschen – Aktivisten, Wissenschaftler, Regierungsvertreter und andere – sind auf dem Weg nach Lusaka. Eine Absage in diesem späten Stadium ist einfach schrecklich."
