Die Attacken folgen einem ausgefeilten Schema, das sowohl technisches Know-how als auch kriminelle Logistik-Kenntnisse erfordert. Laut FBI-Bericht begannen gezielte Angriffe dieser Art bereits 2024 und haben sich seitdem deutlich professionalisiert.
Das typische Angriffsmuster startet mit gefälschten E-Mails an Frachtmakler. Diese Nachrichten tarnen sich als routine Geschäftskommunikation oder Beschwerde, enthalten aber Links zu Malware-Seiten und Remote-Access-Tools. Dadurch erlangen die Angreifer vollständige Kontrolle über interne Systeme der angegriffenen Unternehmen.
Eine besonders perfide Methode ist die Ausnutzung von Ladetafeln — digitale Plattformen, auf denen Unternehmen verfügbare Frachten anbieten und Transporteure Jobs suchen. Cyberkriminelle nutzen gehackte Makler-Konten, um Fake-Angebote zu posten. Ahnungslose Speditionsunternehmen laden sich dabei Malware herunter und geben den Tätern Zugriff auf ihre Systeme.
Im nächsten Schritt verwenden die Hacker gestohlene Transportunternehmen-Identitäten, um auf echte, hochwertige Sendungen zu bieten. Um seriös zu wirken, dringen sie sogar in behördliche Datenbanken ein und manipulieren Versicherungsinformationen sowie Kontaktdaten.
Nach dem erfolgreichen Zuschlag folgt das illegale “Double-Brokering” — der Auftrag wird an einen anderen, möglicherweise nichts-ahnenden Fahrer weitergegeben. Die Ware wird anschließend in Lagern umgeladen oder direkt an Komplizen übergeben und auf dem Schwarzmarkt verkauft. In manchen Fällen erpressen die Diebe die Original-Makler mit Lösegeldforderungen.
Das FBI nennt konkrete Warnsignale: Kontakt über nicht autorisierte Sendungen, verdächtige E-Mail-Adressen, Aufforderungen zum Download von Dokumenten über gekürzte oder gefälschte Links, sowie unautorisierte Weiterleitungs- oder Löschregeln in E-Mail-Konten.
Die Sicherheitsexperten der Firma Proofpoint beobachteten solche Attacken bereits Ende 2025. Auch die National Motor Freight Traffic Association (NMFTA) warnte die Branche: traditionelle Frachtdiebstähle werden zunehmend durch Cyber-Heists ersetzt.
Für deutsche Unternehmen bedeutet dies erhöhte Wachsamkeit im E-Mail-Verkehr, regelmäßiges Sicherheitstraining und sofortige Meldung verdächtiger Aktivitäten an die zuständigen Behörden — insbesondere an das BSI und den Bundesdatenschutzbeauftragten (BfDI).
