Das Tückische an der Lücke liegt in ihrer Entstehung: Laut Theori geht „Copy Fail" auf drei einzeln betrachtet unauffällige Änderungen am Linux-Kernel zurück, die in den Jahren 2011, 2015 und 2017 vorgenommen wurden. Die Gefahr, die aus ihrer Kombination entstand, erkannte fast ein Jahrzehnt lang niemand.
Der Angriff setzt an der temporären Kopie einer Datei an, die das System im Arbeitsspeicher vorhält, während die Datei in Gebrauch ist. Diese Kopie wird unbemerkt manipuliert, ohne dass das Original auf dem Datenträger angerührt wird. Da gängige Sicherheitswerkzeuge Dateien auf dem Datenträger prüfen statt im Arbeitsspeicher, bemerken sie nichts. Diese Lücke kann ein Angreifer nutzen, um die Vorgaben eines vertrauenswürdigen Systemprogramms umzuschreiben und den Rechner zu übernehmen.
CERT-EU, die Cybersicherheitseinrichtung der EU, gab am Donnerstag eine förmliche Warnung heraus und forderte Administratoren auf, das Kernel-Update einzuspielen, sobald Patches verfügbar sind. Laut CERT-EU wurde zwar bereits am 1. April ein Fix in den zugrunde liegenden Linux-Quellcode eingepflegt — nachdem Theori das Problem am 23. März gemeldet hatte —, doch zum Zeitpunkt der Warnung hatte noch keine große Distribution ihn an die Endnutzer ausgeliefert.
Eine kursierende vorläufige Behelfslösung funktioniert nicht auf allen Distributionen korrekt.
Die US-Behörde Cybersecurity and Infrastructure Security Agency hat die Schwachstelle bislang nicht in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Sicherheitslücken aufgenommen, was darauf hindeutet, dass sie noch nicht in aktiven Angriffen beobachtet wurde.
