Mit dem Schritt reiht sich Australien in eine kleine Gruppe von Staaten ein, die vergleichbare Programme geschaffen haben. Das Cyber Incident Review Board orientiert sich am Cyber Safety Review Board, das die Biden-Regierung 2022 in den USA einrichtete – allerdings mit einer enger gefassten Mitgliedschaft, die überwiegend aus Branchen der kritischen Infrastruktur stammt.
Das US-Gremium legte drei Berichte vor, bevor es von der Trump-Regierung aufgelöst wurde. Zum Zeitpunkt der Auflösung steckte es mitten in einer Untersuchung zu Salt Typhoon, einer weitreichenden chinesischen Geheimdienstoperation gegen Telekommunikationsnetze. Mehrere demokratische Senatoren kritisierten den Schritt der Regierung und forderten die Wiedereinsetzung des Gremiums.
Ein ähnlicher Mechanismus wurde auch in der Europäischen Union im Rahmen des Cyber Solidarity Act geschaffen, der die EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA mit nachträglichen Untersuchungen bedeutender grenzüberschreitender Angriffe beauftragt. Diese Untersuchungsfunktion wurde bislang jedoch nicht ausgeübt.
Der folgenreichste Bericht des US-Gremiums warf Microsoft eine Kette vermeidbarer Fehler vor, die staatlich verbundenen chinesischen Hackern den Zugriff auf E-Mail-Konten hochrangiger US-Regierungsvertreter ermöglicht hätten, und forderte „echte kulturelle und führungsbezogene Veränderungen“ im Unternehmen. Nach Veröffentlichung des Berichts erließ Microsoft-Chef Satya Nadella eine unternehmensweite Anweisung, wonach es für die Zukunft des Unternehmens entscheidend sei, Sicherheit „über alles andere“ zu stellen.
Die früheren Untersuchungen des Gremiums zur Log4j-Schwachstelle und zur Hackergruppe Lapsus$ hatten weniger Wirkung. In einem Beitrag für Lawfare argumentierte Jeff Greene – ein ehemaliger Cyber-Beamter der Biden-Regierung, der beim Aufbau des Gremiums mitwirkte –, diese ersten Untersuchungen seien zu kurz gegriffen, weil sie sich nicht auf einen konkreten, einem einzelnen Unternehmen zurechenbaren Vorfall konzentriert hätten, was ihre Fähigkeit zur Durchsetzung von Verantwortlichkeit begrenzt habe.
Anders als sein US-Pendant, das vollständig auf freiwilliger Mitwirkung beruhte, kann das australische Gremium Informationen auch von Stellen erzwingen, die eine Teilnahme verweigern – ein Punkt, der in Greenes Empfehlungen enthalten war. Anderen Vorschlägen folgen die Pläne der australischen Regierung nicht, etwa der Möglichkeit, die Zusammensetzung des Gremiums für einzelne Untersuchungen um Fachleute mit Spezialwissen zu erweitern.
