Matthew Isaac Knoot und Erick Ntekereze Prince sind erst die siebte und achte verurteilte US-Bürger dieses Jahres, die in ein Netzwerk von sogenannten Laptop-Farmen verwickelt waren. Diese Operationen dienten einem perfiden Zweck: Sie ermöglichten es nordkoreanischen IT-Spezialisten, in US-amerikanische Unternehmen einzudringen und dabei erhebliche Gewinne für das diktatorische Regime zu generieren.
Knoot betrieb seine Operation von 2022 bis 2023 aus Nashville. Er beschaffte sich unternehmenseigene Laptops unter gestohlenen Identitäten und installierte darauf Remote-Desktop-Software. Dies erlaubte es nordkoreanischen Arbeitern, die Geräte ferngesteuert zu nutzen und als legitime US-Angestellte zu fungieren. Unternehmen zahlten über 250.000 Dollar an diese betrügerischen Mitarbeiter, während die Einkünfte unter falschen Namen bei der Social Security Administration und dem IRS gemeldet wurden.
Prince agierte noch raffinierter über sein Unternehmen Taggcar Inc. und vermittelte mindestens drei nordkoreanische IT-Arbeiter an US-Firmen. Seine Beute: über 943.000 Dollar, die größtenteils ins Ausland transferiert wurden. Für beide Verurteilten folgen schwere Konsequenzen: Neben 18 Monaten Haft müssen sie erhebliche Schadensersatzbeträge leisten.
Das FBI warnt seit 2023 vor dieser Bedrohung. Nordkorea verfügt über ein Heer von tausenden IT-Spezialisten, die systematisch mit Identitätsdiebstahl hunderte US-Unternehmen infiltrieren. Besonders prominent war der Fall Christina Marie Chapman aus Arizona, die 102 Monate Haft erhielt, weil ihre Laptop-Farm 309 Unternehmen kompromittierte.
Für deutsche Unternehmen und Behörden ist dies ein Warnzeichen. Nordkorea konzentriert sich zwar bisher primär auf anglo-amerikanische Ziele, doch die DSGVO-Meldepflicht verpflichtet deutsche Firmen, jeden Datenschutzverstoß zu dokumentieren. Besonders kritisch wären Fälle, in denen Betriebsdaten oder Kundendaten abgeflossen sind – hier drohen Bußgelder bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Das BSI empfiehlt erhöhte Aufmerksamkeit bei der Überprüfung von Mitarbeitern im Remote-Work-Kontext und verstärkte Multi-Faktor-Authentifizierung.
