Der Streit dreht sich um die Gründung von OpenAI im Jahr 2015 als gemeinnütziges Start-up, das zunächst vor allem von Musk finanziert wurde. Sowohl Musk als auch Altman erklärten, sie hätten gewollt, dass OpenAI eine künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) sicher und zum Wohl der Menschheit entwickelt – nicht zum Vorteil oder unter der Kontrolle einer einzelnen Person. Beide Lager werfen sich nun gegenseitig vor, genau diese Kontrolle angestrebt zu haben. Altman hat in dem Verfahren noch nicht ausgesagt.

Richterin Gonzalez Rogers stellte früh klar, worum es nicht gehe: „Dies ist kein Prozess über die Sicherheitsrisiken künstlicher Intelligenz. Dies ist kein Prozess darüber, ob KI der Menschheit geschadet hat", sagte sie den Anwälten, bevor die Geschworenen den Saal betraten. Besonders Musks Anwälte mahnte sie, sich auf die Vorwürfe rund um den gemeinnützigen Auftrag zu beschränken.

Musk umging diese Vorgabe in seiner Aussage dennoch. Künstliche allgemeine Intelligenz sei erreicht, wenn KI „so klug wie jeder Mensch" werde – „wir nähern uns diesem Punkt", und KI werde womöglich schon im kommenden Jahr klüger sein als jeder Mensch. Er habe „extreme Bedenken" gegenüber KI, und das seit Langem. Mit OpenAI habe er einen „Gegenpol" zu Google schaffen wollen, das damals „das ganze Geld, alle Computer und alle Talente" für KI besessen habe. „Ich war besorgt, dass KI ein zweischneidiges Schwert sein würde."

Wiederholt betonte Musk, er hätte OpenAI ebenso als gewinnorientiertes Unternehmen gründen können wie seine anderen Firmen. „Ich habe mich bewusst dafür entschieden – zum Wohl der Öffentlichkeit." Die Richterin zeigte sich skeptisch und verwies darauf, dass Musk „trotz dieser Risiken ein Unternehmen im exakt selben Bereich aufbaut" – gemeint war sein 2023 gestartetes KI-Unternehmen xAI, das inzwischen mit seiner Raketenfirma SpaceX fusioniert ist.

Auch OpenAI beruft sich auf das Gemeinwohl. Mitgründer und Präsident Greg Brockman, neben Altman und dem Unternehmen Beklagter in Musks Klage, bezeichnete die entwickelte Technik als „transformativ" – größer als Konzerne, Unternehmensstrukturen und jede einzelne Person; es gehe „um die Menschheit als Ganzes". Sein oberstes Ziel sei stets die „Mission" von OpenAI gewesen; vielmehr habe Musk die alleinige Kontrolle über das Unternehmen gesucht. Bei einem Treffen habe Musk sich zunächst offen gezeigt, Altman zum CEO zu machen, am Ende jedoch erklärt, die Leute müssten wissen, dass er das Sagen habe.

Als Sachverständiger trat der KI-Pionier Stuart Russell auf, von Musks Anwälten für 5.000 Dollar pro Stunde geladen. Der Informatiker der University of California, Berkeley, zählte zahlreiche Gefahren auf – von Diskriminierung nach Hautfarbe und Geschlecht über Jobverluste und Desinformation bis hin zu emotionalen Bindungen, die manche Chatbot-Nutzer in eine Spirale der Psychose führten. Der Machtkampf nach dem Prinzip „Der Sieger bekommt alles" bedrohe die Menschheit für sich genommen: „Welches Unternehmen AGI zuerst entwickelt, hätte einen sehr großen Vorteil" und einen wachsenden Vorsprung vor allen anderen.

Musk fordert neben Schadenersatz auch Altmans Abberufung aus dem Vorstand von OpenAI. Ein Erfolg könnte die geplanten Pläne für einen Börsengang des Unternehmens durchkreuzen.