PAM (Pluggable Authentication Modules) ist ein Sicherheitsframework in Unix- und Linux-Systemen, das es Administratoren erlaubt, verschiedene Authentifizierungsverfahren über austauschbare Module einzubinden oder zu ändern – etwa den Wechsel von Passwörtern zu biometrischen Verfahren –, ohne bestehende Anwendungen neu schreiben zu müssen. Da PAM-Module in der Regel mit Root-Rechten laufen, kann ein kompromittiertes, fehlkonfiguriertes oder bösartiges Modul erhebliche Risiken schaffen und den Weg für das Abgreifen von Zugangsdaten und unbefugten Zugriff ebnen.

Auf diese Gefahr hatte bereits Group-IB im September 2024 hingewiesen. Die Modularität von PAM berge Risiken, da bösartige Änderungen an Modulen Hintertüren schaffen oder Zugangsdaten stehlen könnten – zumal PAM keine Passwörter speichere, sondern Werte im Klartext übertrage. Der singapurische Sicherheitsanbieter beschrieb, wie sich das Modul pam_exec, das die Ausführung externer Befehle erlaubt, ausnutzen lässt: Angreifer können bösartige Skripte in PAM-Konfigurationsdateien einschleusen, um unbefugten Zugang zu erlangen oder dauerhafte Kontrolle aufzubauen. So lasse sich die PAM-Konfiguration für die SSH-Authentifizierung so manipulieren, dass über pam_exec ein Skript ausgeführt und eine privilegierte Shell auf dem Host erlangt wird.

Die Erkenntnisse von Flare.io zeigen, dass PamDOORa über den reinen Diebstahl von Zugangsdaten hinausgeht: Das Werkzeug verfügt über Anti-Forensik-Funktionen und manipuliert gezielt Authentifizierungsprotokolle, um Spuren der schädlichen Aktivität zu beseitigen. Ein typischer Infektionsablauf dürfte laut Flare.io damit beginnen, dass sich der Angreifer zunächst auf anderem Weg Root-Zugriff auf den Host verschafft und anschließend das PamDOORa-Modul einsetzt, um Zugangsdaten abzufangen und dauerhaften Zugriff über SSH zu sichern.

Den ursprünglichen Preis von 1.600 US-Dollar am 17. März 2026 senkte der Akteur „darkworm" bis zum 9. April um fast die Hälfte auf 900 US-Dollar. Das deute laut Flare.io entweder auf mangelndes Käuferinteresse oder auf die Absicht hin, den Verkauf zu beschleunigen.

Morag ordnet PamDOORa als Weiterentwicklung bestehender quelloffener PAM-Backdoors ein. Zwar seien die einzelnen Techniken – PAM-Hooks, das Abgreifen von Zugangsdaten und das Manipulieren von Protokollen – gut dokumentiert. Die Integration zu einem geschlossenen, modularen Implantat mit Anti-Debugging, netzwerkbewussten Auslösern und einer Builder-Pipeline rücke das Werkzeug jedoch näher an professionelle Angreifer-Software als an die einfachen Machbarkeitsskripte, die in den meisten öffentlichen Repositorys zu finden seien.