Die US-amerikanische Cybersecurity-Firma Trellix ist Anfang Mai Opfer eines Cyberangriffs geworden, der es Angreifern ermöglichte, in ihr Quellcode-Repository einzudringen. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall am 1. Mai und teilte mit, dass es unmittelbar nach Entdeckung des Vorfalls mit führenden Forensik-Unternehmen und den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeitete. Nach eigenen Angaben gebe es derzeit keine Hinweise darauf, dass der Quellcode bereits in die Vertriebskette gelangt sei oder dass Systeme damit ausgenutzt wurden.
Die Ransomware-Gruppe RansomHouse übernahm nun öffentlich Verantwortung für den Angriff und veröffentlichte Screenshots als Beweis. Nach Aussagen der Cyberkriminellen soll die Intrusion bereits am 17. April stattgefunden haben und mit einer Datenverschlüsselung einhergegangen sein. Die Gruppe hatte Zugriff auf das Appliance-Management-System von Trellix, wie aus den geleakten Bildern hervorgeht.
Trellix beschäftigt rund 3.500 Mitarbeiter und betreut weltweit über 53.000 Kunden in 185 Ländern. Das Unternehmen zählt zu den vertrauensten Namen im Cybersecurity-Bereich und arbeitet mit zahlreichen Fortune-100-Unternehmen zusammen. Ein Quellcode-Leak könnte langfristig erhebliche Sicherheitsimplikationen haben, da Angreifer damit Schwachstellen in Trellix-Produkten identifizieren könnten.
RansomHouse ist kein unbekanntes Phänomen in der Cybercrime-Szene. Die Gruppe wurde 2022 gegründet und operiert als Datenerpressungs-Operation, bei der gestohlene Informationen auf darkweb-Portalen gelistet und verkauft oder geleakt werden. Im Laufe der Zeit hat RansomHouse ihr Arsenal erweitert – unter anderem mit Verschlüsselungs-Tools wie “Mario”, das eine Doppel-Verschlüsselung mit zwei Schlüsseln durchführt, und “MrAgent”, das die automatisierte Bereitstellung von Verschlüsselern auf VMware-ESXi-Hypervisoren ermöglicht.
Ein prominentes früheres Opfer der Gruppe war das japanische E-Commerce-Unternehmen Askul Corporation, von dem RansomHouse 740.000 Kundendatensätze und weitere sensible Informationen stahl. Trellix’ Untersuchung wird fortgesetzt, und das Unternehmen kündigte an, sobald weitere Details verfügbar sind, diese zu kommunizieren.
