Die Entdeckung einer möglichen Zusammenarbeit zwischen BO Team und Head Mare markiert eine Eskalation in der Cyberkriegsführung rund um den Konflikt in der Ukraine. Kaspersky-Forscher dokumentieren erstmals substanzielle Belege für die operative Koordination dieser beiden Gruppen, deren Aktivitäten sich bislang nur wenig überschnitten hatten.
BO Team, auch als Black Owl bekannt, ist seit Anfang 2024 aktiv und hat sich schnell zu einer bedeutenden Kraft unter pro-ukrainischen Hackergruppen entwickelt. Im Gegensatz zu anderen Aktivisten-Kollektiven operierte BO Team bislang weitgehend autonom mit eigenen Ressourcen und Werkzeugen. Das ändert sich nun offenbar. Die Gruppe hat in der Vergangenheit eng mit ukrainischer Militärintelligenz zusammengearbeitet, etwa bei Angriffen auf einen großen russischen Drohnenhersteller, Russlands Behörde für digitale Signaturen und ein wissenschaftliches Forschungszentrum.
Head Mare ist bereits seit 2023 aktiv und hat sich auf eigene Malware spezialisiert — insbesondere die Tools PhantomDL und PhantomCore. Die Gruppe nutzt zudem neue, gerade offengelegte Schwachstellen in Phishing-Kampagnen.
Kaspersky skizziert ein wahrscheinliches Szenario der Kooperation: Head Mare verschafft sich über Phishing-Mails Zugang zu Netzwerken, während BO Team anschließend Malware wie BrockenDoor, Remcos und DarkGate einsetzt, um die Kontrolle zu erweitern und Spionage zu betreiben. Diese mehrstufige Angriffsweise erhöht die Erfolgsquoten erheblich.
BO Team hat sein Tätigkeitsprofil im vergangenen Jahr deutlich verschoben. Während die Gruppe anfangs destruktive Angriffe durchführte, liegt der Fokus nun auf verdeckteren Operationen und Cyber-Spionage. Im ersten Quartal 2026 zielten die Angreifer auf 20 Organisationen ab — ein Wechsel weg von Gesundheitseinrichtungen hin zu Unternehmen in Fertigung, Telekommunikation und Öl- und Gassektor.
Obwohl die genaue Natur der Beziehung zwischen beiden Gruppen unklar bleibt, sprechen die überlappenden Infrastrukturen und Werkzeuge für mindestens ein gewisses Maß an operativer Abstimmung. Für Cybersicherheitsexperten weltweit — und insbesondere für deutsche Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zu Ländern im Konflikt — ist dies ein Zeichen für die wachsende Professionalisierung und Koordination im Bereich Hacktivismus.
