Die Vorfallsserie offenbart ein desastrales Szenario für tausende Bildungseinrichtungen. Instructure entdeckte die erste Kompromittierung erst vier Tage später – am 29. April – und sperrte daraufhin den Angreifern den Zugriff. Doch am 30. April musste das Unternehmen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um einen “weiteren verdächtigen Zugriff” zu beheben. Am 2. Mai verkündete CISO Steve Proud, der Vorfall sei “enthalten”, patche die Systeme und rotiere die Schlüssel. Nur vier Tage später, am 6. Mai, beteuerte Instructure noch immer, keine “laufende unbefugte Aktivität” zu erkennen.
Diese Aussagen sollten sich schnell als verfrüht erweisen. Schüler und Lehrer berichteten online von anhaltenden Unterbrechungen und sichteten noch am 7. Mai Ransom-Nachrichten von ShinyHunters. Dennis Pomazanov, Student am Georgia Tech, berichtete: “Als ich meine Noten ansehen wollte, wurde mir statt der normalen Canvas-Seite die Lösegeld-Nachricht angezeigt.” Am 8. Mai bestätigte Instructure schließlich, dass am 7. Mai Canvas erneut offline genommen werden musste – und machte diesmal die sogenannten “Free-For-Teacher”-Konten für die Kompromittierung verantwortlich.
Das Ausmaß des Datendiebstahls übersteigt bei Weitem das üblicher Sicherheitsvorfälle. ShinyHunters behauptet, etwa 3,65 Terabyte Daten gestohlen zu haben – davon “mehrere Milliarden private Nachrichten” zwischen Schülern und Lehrern. Die Täter haben damit Zugang zu hochsensiblen Informationen über Millionen Minderjähriger erlangt. Darren Guccione, CEO von Keeper Security, warnt: “Bei Verstößen mit Daten von Minderjährigen eskaliert der Ernst erheblich. Ein Kind kann seinen Namen, sein Geburtsdatum oder seine privaten Kommunikationen nicht einfach austauschen – diese Exposition wirkt sich über Jahre hinweg aus.”
Die Ransom-Note der Hacker verschiebt die Leak-Frist vom 6. Mai auf den 12. Mai und bietet Schulen an, direkt mit ihnen zu verhandeln. Für deutsche Schulen und Universitäten bedeutet dies nicht nur operativen Ausfall, sondern auch Meldepflichten unter DSGVO und potenziell erhebliche Bußgelder.
