Die Begründung für den Stellenabbau liefern die beiden Firmengründer in ihrer E-Mail an die Belegschaft selbst. Man müsse das Unternehmen bewusst für das „agentenbasierte KI-Zeitalter“ ausrichten, um den Wert für die Kunden zu steigern und der eigenen Mission gerecht zu werden, ein besseres Internet für alle aufzubauen, so Prince und Zatlyn.

Ausdrücklich grenzten sie den Schritt von einer reinen Kostensenkung ab. Die heutigen Maßnahmen seien „kein Kostensenkungsprogramm und keine Bewertung der Leistung Einzelner“, hieß es in der Mitteilung. Es gehe darum zu definieren, wie ein erstklassiges, wachstumsstarkes Unternehmen im Zeitalter der agentenbasierten KI operiere und Wert schaffe.

Für die ausscheidenden Beschäftigten kündigte Cloudflare ein vergleichsweise umfangreiches Abfindungspaket an. Sie erhalten eine Abfindung in Höhe ihres vollen Grundgehalts bis zum Jahresende 2026. Beschäftigte in den USA bleiben zudem bis zum 31. Dezember krankenversichert.

Darüber hinaus will das Unternehmen den Erwerb von Aktienanteilen für die betroffenen Mitarbeiter bis zum 15. August beschleunigen, sodass sie auch nach ihrem Ausscheiden weiter Anteile ansammeln können. Wer die einjährige Wartefrist („Vesting Cliff“) noch nicht erreicht hat, für den verzichtet Cloudflare auf diese Bedingung und gewährt eine anteilige Zuteilung bis August.

Den Zeitpunkt des Einschnitts verteidigten Prince und Zatlyn mit dem Argument der Planbarkeit: Durch entschlossenes Handeln jetzt schaffe man sofortige Klarheit für die Ausscheidenden und schütze die Stabilität des verbleibenden Teams. Kleinere, wiederholte Einschnitte oder eine über mehrere Quartale gestreckte Reorganisation würden hingegen anhaltende emotionale Unsicherheit erzeugen und die Aufbauarbeit blockieren.

Die Reaktion der Anleger fiel dennoch deutlich aus. Cloudflare übertraf im ersten Quartal 2026 zwar sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnprognosen, doch nach der zeitgleichen Ankündigung des Stellenabbaus und eines schwächeren kurzfristigen Ausblicks fiel die Aktie um mehr als 20 Prozent.

Cloudflare ist nicht das einzige Unternehmen der Branche mit Entlassungen. Laut Daten von Layoffs.fyi kündigten in diesem Jahr unter anderem auch die Cybersicherheitsfirmen Kaseya, Axonius, CyberArk, At-Bay, Pentera und Arctic Wolf einen Stellenabbau an.