Die Kluft zwischen Alert-Volumen und tatsächlicher Untersuchungskapazität ist ein bekanntes Problem in der Cybersicherheit. Doch eine tiefere Analyse offenbart ein strukturelles Versagen, das über bloße Überlastung hinausgeht.
Besonders betroffene Alert-Kategorien
Wirklich kritisch wird es bei spezialisierten Alert-Typen: WAF-Ereignisse erfordern tiefgreifendes Verständnis von Web-Angriffsmustern, DLP-Anomalien verlangen nach Kontext über Datensensitivität und Nutzerverhalten, OT/IoT-Warnungen setzen Fachwissen über industrielle Protokolle und Steuerungssysteme voraus. Diese Expertise ist in den meisten deutschen SOC-Teams nicht vorhanden – und das ist nicht einfach ein Personaldefizit, sondern ein wirtschaftliches Kalkül.
MSSPs und MDR-Provider sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber. Komplexe Spezialalerts sind für Managed-Services unwirtschaftlich zu untersuchen und werden routinemäßig ans Client-Unternehmen zurückgespielt – womit die Verantwortung wieder bei einem unterbesetzten Team landet.
Die KI-Automatisierungs-Grenze
Auch moderne KI-SOC-Plattformen zeigen ihre Grenzen: Sie funktionieren effektiv bei vier bis sechs vordefinierten Alert-Kategorien, basieren aber auf statischen Regeln. Sobald ein neuartiger Threat, eine unbekannte Alert-Quelle oder ein bislang ungekannter Angriffsvektor auftaucht, werden diese Warnungen deprioritisiert oder weitergeleitet.
Radiant Security und die deutsche Cybersecurity-Firma Cirosec adressieren dieses Problem in einem technischen Webinar am 21. Mai 2026 unter dem Titel „Alert Coverage No One Else Can Triage”. Die Besonderheit von Radiants KI-Plattform: Sie generiert Triage-Logik in Echtzeit für beliebige Alert-Typen, nicht nur für vordefinierte Szenarien. Dies könnte gerade für deutsche Unternehmen relevant sein, die unter der DSGVO-Meldepflicht bei Datenschutzverletzungen stehen und eine lückenlose Alert-Verarbeitung benötigen.
Fazit
Die strukturelle Lücke zwischen verfügbaren SOC-Modellen und kritischen, aber spezialisierten Alerts bleibt das zentrale Sicherheitsrisiko. Unternehmen, die davon abhängen, dass solche Warnungen untersucht werden, sollten ihre aktuellen Prozesse kritisch überprüfen.
