Die Ransomware-Attacke auf Instructure wirft ein Schlaglicht auf die Verwundbarkeiten im Bildungssektor. ShinyHunters forderte Lösegeldzahlungen von jeder betroffenen Schule und drohte mit der Veröffentlichung der Daten am 12. Mai. Die Entscheidung des Unternehmens zur Lösegeldzahlung kam wenige Stunden nach einer Ankündigung des US-Repräsentantenhauses, die Attacke zu untersuchen.
Das House Homeland Security Committee kündigte eine formale Untersuchung an. Der Vorsitzende Andrew Garbarino forderte eine Stellungnahme des Instructure-CEO und kritisierte die Reaktion des Unternehmens deutlich: “Die Wiederholung eines Eindringlings innerhalb von Tagen nach der ersten Sicherheitsmitteilung und Instructures offenbares Versäumnis, die zugrunde liegenden Schwachstellen während dieses Zeitfensters vollständig zu beheben, werfen ernsthafte Fragen zur Reaktionsfähigkeit des Unternehmens auf.” Garbarino verwies zudem darauf, dass Instructure am 2. Mai behauptete, den Vorfall unter Kontrolle zu haben – obwohl zwei Tage später ein zweiter, größerer Anschlag folgte.
Die Cyberkriminellen-Gruppe ShinyHunters ist keine unbekannte Größe: Sie sollen auch hinter Breaches bei Ticketmaster, AT&T und dem Bildungsverlags McGraw Hill stecken. Die Offline-Schaltung ihrer Leak-Site am Montag deutet auf mögliche FBI-Operationen gegen die Gruppe hin.
Instructure-CEO Steve Daly entschuldigte sich bei den betroffenen Schulen und Universitäten und beteuerte, dass Canvas nun sicher zu nutzen sei. Das Unternehmen hat Crowdstrike und eine weitere Cybersecurity-Firma beauftragt, eine forensische Analyse durchzuführen und die Infrastruktur zu härten.
Das FBI warnte Studierenden davor, auf direkte Kontaktaufnahmen von ShinyHunters reagieren und Lösegeldbeträge zu zahlen. Die Behörde empfahl, auf offizielle Informationen der eigenen Bildungseinrichtung zu warten. Für betroffene deutsche Schulen und Universitäten gelten zusätzlich DSGVO-Meldepflichten gegenüber der zuständigen Datenschutzbehörde – bei großflächigen Datenverstößen drohen erhebliche Bußgelder. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz (BfDI) dürfte diesen Fall aufmerksam verfolgen.
