Microsofts Patch Tuesday für Mai 2026 markiert eine interessante Zäsur: Während keine Zero-Day-Exploits mehr im Umlauf sind, steigt die Gesamtzahl der Schwachstellen kontinuierlich. Dies ist bereits der dritte Monat dieses Jahres, in dem Microsoft mehr als 100 CVEs in einem Update offenlegte. Mit über 500 Patches bis Mai könnte das Unternehmen das bisherige Rekordjahr 2020 mit 1.245 offengelegten Bugs übertreffen.
Verantwortlich für diesen Anstieg ist der Einsatz von KI-gestützten Analysetools. Tom Gallagher, Microsofts Vice President of Engineering, erklärte: Künstliche Intelligenz helfe Sicherheitsforschern, Code-Pfade und Konfigurationen schneller und konsistenter zu analysieren, als es manuelle Überprüfungen ermöglichen würden. “Wir erwarten, dass die Releases in den kommenden Monaten weiter größer werden.”
Besonders kritisch sind die zwei Word-Schwachstellen CVE-2026-40361 und CVE-2026-40364 (beide CVSS 8.4). Sie ermöglichen Remote Code Execution ohne Benutzerinteraktion – ein Angreifer muss lediglich ein manipuliertes Dokument versenden, um Systeme zu kompromittieren. Dies erinnert an die lange bekannte Gefahr der Outlook-Lesevorschau, die schon bei eingehenden E-Mails auslöst.
Drei Schwachstellen erreichen den Höchstwert von 9,9 auf der CVSS-Skala: CVE-2026-42898 (Remote Code Execution in Microsoft Dynamics 365), sowie zwei Azure-Vulnerabilities (CVE-2026-42823 in Azure Logic Apps und CVE-2026-33109 in Azure Managed Instance for Apache Cassandra). Besonders gefährlich ist CVE-2026-42898, da sie authentifizierten Angreifern ohne Administratorrechte ermöglicht, beliebigen Code auszuführen und auf Kundendaten, Finanzinformationen sowie integrierte Business-Systeme zuzugreifen.
Ein weiterer kritischer Fehler ist CVE-2026-41089 in Windows Netlogon – eine RCE auf Domain Controllern, die keine Authentifizierung oder Benutzerinteraktion erfordert. Sicherheitsexperten warnen: Organisations sollten auf unerklärte Neustarts und verdächtige Netlogon-Traffic-Muster achten.
Besonders alarmierend ist der wachsende AI-Sicherheitsrisiko: Sieben der CVEs betreffen Copilot und Azure AI Foundry, was 6 Prozent dieses Monats ausmacht. Experten warnen, dass viele Unternehmen nicht alle KI-Tools in ihrer Infrastruktur kennen – ein potenzielles Sicherheitsloch, das künftig wachsen wird.
