Im Kern nutzt GemStuffer RubyGems als Ablageort für die gescrapten Inhalte. Die Pakete rufen fest hinterlegte URLs britischer Kommunalportale ab, verpacken die HTTP-Antworten in gültige .gem-Archive und veröffentlichen diese anschließend über eingebettete Zugangsdaten auf RubyGems.

Socket hat dabei zwei Varianten beobachtet. In einigen Fällen legt die im Paket enthaltene Payload unter „/tmp" eine temporäre Anmeldeumgebung für RubyGems an, überschreibt die HOME-Umgebungsvariable, baut ein Gem lokal und lädt es über die Kommandozeile (CLI) hoch — anstatt auf bereits vorhandene RubyGems-Zugangsdaten auf dem Zielsystem zurückzugreifen. Andere Varianten verzichten auf die CLI und laden das Archiv direkt per HTTP-POST-Anfrage an die RubyGems-API hoch. Sind die Pakete einmal veröffentlicht, genügt ein „gem fetch" mit Name und Version, um an die gesammelten Daten zu gelangen.

Die Kampagne zielt auf die öffentlich erreichbaren ModernGov-Portale der Londoner Bezirke Lambeth, Wandsworth und Southwark. Abgegriffen werden Sitzungskalender von Ausschüssen, Tagesordnungspunkte, verlinkte PDF-Dokumente, Kontaktdaten von Amtsträgern sowie Inhalte von RSS-Feeds.

Welchen Zweck die Sammlung letztlich verfolgt, bleibt offen, da die Informationen ohnehin öffentlich abrufbar sind. Socket hält es jedoch für möglich, dass der Angreifer den Zugriff auf die Kommunalportale als Sprungbrett nutzt, um seine Fähigkeiten gegen staatliche Infrastruktur unter Beweis zu stellen. Denkbar sei Spam in der Registry, ein Wurm als Machbarkeitsnachweis, ein automatisierter Scraper, der RubyGems zweckentfremdet als Speicherebene nutzt, oder ein bewusster Test des Registry-Missbrauchs. Die Mechanik sei jedenfalls absichtlich angelegt: wiederholte Gem-Erzeugung, hochgezählte Versionsnummern, fest hinterlegte RubyGems-Zugangsdaten, direkte Pushes in die Registry und gescrapte Daten innerhalb der Paketarchive.

Der Vorfall fällt mit einem weiteren Ereignis zusammen: RubyGems hat die Registrierung neuer Konten vorübergehend ausgesetzt, nachdem es nach eigener Darstellung zu einem schwerwiegenden Angriff gekommen war. Ob beide Vorgänge zusammenhängen, ist unklar. Socket betont jedoch, dass GemStuffer demselben Missbrauchsmuster folge — der Nutzung neu angelegter Pakete mit zufällig wirkenden Namen, um darin die gesammelten Daten unterzubringen.