Das kriminelle Netzwerk entstand vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine und richtete sich gezielt an junge Frauen aus Gebieten, die unter ständigem Beschuss lagen. Rekrutierungszellen finanzierten deren Reise nach Spanien. „Mitglieder des kriminellen Netzwerks schickten die Frauen nach Spanien, begleiteten sie bei der Eröffnung von Bankkonten und brachten sie kurz darauf in die Ukraine zurück", teilte Europol mit.
Nach der Ankunft in Spanien leiteten die Verdächtigen die Opfer durch das Verfahren zur Erlangung eines vorübergehenden Schutzstatus in offiziellen Aufnahmezentren. Anschließend forderten sie die Frauen auf, Bankkonten und Kreditkarten zu eröffnen, über die die Kriminellen sofort die vollständige Kontrolle übernahmen.
Die Konten dienten als Grundlage für eine hochautomatisierte Betrugsoperation. Mit Bot-Programmen platzierte die Gruppe tausende gleichzeitige Wetten mit niedrigen Quoten auf Online-Glücksspielplattformen. Dabei nutzten die Täter laut Ermittlern gestohlene Identitäten von mehr als 5.000 Bürgern aus 17 verschiedenen Nationalitäten. Die niedrigen Quoten wählten sie bewusst, um das Risiko zu minimieren und stetige, scheinbar legitime Gewinne zu erzeugen, die sich anschließend waschen ließen.
„Die Organisation rekrutierte hochgradig schutzbedürftige Frauen in stark vom Krieg in der Ukraine betroffenen Gebieten und eröffnete auf deren Namen Bankkonten, die auf Glücksspielplattformen eingesetzt wurden, um illegale Gewinne in geschätzter Höhe von 4.750.000 Euro zu bewegen", erklärte die spanische Nationalpolizei.
Die gemeinsame Ermittlung mit der ukrainischen Polizei begann im Oktober 2023. Im Zuge der Operation nahmen die spanischen Behörden zwölf Verdächtige fest und führten neun Hausdurchsuchungen in Alicante und Valencia durch.
Bei Durchsuchungen an neun spanischen Adressen und acht ukrainischen Objekten stellten die Ermittler dutzende Mobiltelefone, 20 Computer, 22 Bots, vier hochwertige Fahrzeuge und 500 SIM-Karten sicher. Zudem froren sie zehn Immobilien im Wert von über zwei Millionen Euro ein und blockierten in elf Ländern Konten mit einem Guthaben von mehr als 470.000 Euro.
