Bei einer Razzia an drei Orten nahmen deutsche und US-amerikanische Ermittler den 49-jährigen Owe Martin Andresen wegen mehrfacher Geldwäsche fest. Das US-Justizministerium äußerte sich nicht zu der Frage, ob es seine Auslieferung aus Deutschland beantragen werde, wo er ebenfalls angeklagt ist.

US-Staatsanwalt Theodore Hertzberg warf Andresen vor, er habe Provisionen aus dem Verkauf illegaler Drogen, gestohlener personenbezogener Daten, gefälschter Ausweisdokumente und weiterer Waren über Krypto-Wallets geschleust und seine unrechtmäßigen Gewinne sogar in Goldbarren umgewandelt.

Laut Gerichtsunterlagen wurde Dream Market 2013 von Andresen und weiteren Personen gegründet. Auf dem Höhepunkt umfasste die Seite mehr als 100.000 Angebote. Die Staatsanwaltschaft führt unter den dort gehandelten Drogen 90 Kilogramm Heroin, 450 Kilogramm Kokain, 25 Kilogramm Crack und 36 Kilogramm Fentanyl auf. Erreichbar war der Marktplatz über das Tor-Netzwerk, bezahlt wurde mit Kryptowährungen.

Nach einer Strafverfolgungsaktion im Jahr 2019, die zu Dutzenden Festnahmen von Online-Drogenhändlern führte, kündigte Dream Market seine Schließung an. Nach Angaben des Justizministeriums waren diese Razzien Teil der damaligen Bemühungen, die Plattform zu zerschlagen; sie ermöglichten die Festnahme, Anklage und Verurteilung mehrerer hochrangiger Verkäufer und Administratoren. Während zumindest ein Administrator mittlerer Ebene damals im Vereinigten Königreich festgenommen und angeklagt wurde, blieb der Hauptadministrator unauffindbar.

Nach der Schließung beobachteten US-Behörden weiterhin die mit der Plattform verbundenen Krypto-Wallets, die jedoch unangetastet blieben. Sie enthielten Kryptowährungen im Wert von mehreren Millionen Dollar aus Provisionen, die Kunden an die Administratoren gezahlt hatten. Zwischen 2016 und 2022 waren Dutzende US-Behörden an den Ermittlungen beteiligt, darunter FBI und DEA.

Ende 2022 griff Andresen schließlich auf die Wallets zu und transferierte die Kryptowährung auf andere Adressen. Er versuchte, das Geld zu waschen, indem er bei einem Unternehmen in Atlanta Goldbarren kaufte und sie an seine Wohnadresse in Deutschland liefern ließ. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wusch er zwischen August 2023 und April 2025 rund zwei Millionen Dollar.

Bei der Durchsuchung von Andresens Wohnung und zwei weiteren Orten fanden die Beamten Goldbarren im Wert von etwa 1,7 Millionen Dollar sowie 23.000 Dollar in bar. Hinzu kamen Bankkonten und Krypto-Wallets mit weiteren 1,2 Millionen Dollar, die mutmaßlich mit Dream Market in Verbindung stehen.

Angeklagt ist Andresen wegen sechs Fällen der Geldwäsche und sechs Fällen der internationalen Geldwäsche. In den USA drohen ihm bis zu 240 Jahre Haft, in Deutschland bis zu fünf Jahre.

Der Fall reiht sich in weitere Verfahren gegen Darknet-Marktbetreiber ein: Kürzlich wurde der Administrator eines anderen Darknet-Markts nach einer gemeinsamen deutsch-amerikanischen Aktion zu 16 Jahren Haft verurteilt. Ein taiwanesischer Staatsbürger erhielt im Februar in den USA 30 Jahre Haft für seine Rolle als Administrator von Incognito Market, und US-Behörden klagten im vergangenen Jahr den mutmaßlichen Gründer von Nemesis Market an.