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SecurityScorecard übernimmt Driftnet: Schärfere Bedrohungserkennung für Lieferantenkontrolle

SecurityScorecard übernimmt Driftnet: Schärfere Bedrohungserkennung für Lieferantenkontrolle
Zusammenfassung

Das Cybersicherheitsunternehmen SecurityScorecard hat das britische Scanning-Startup Driftnet akquiriert, um seine Plattform für Third-Party-Risk-Management zu erweitern. Driftnet spezialisiert sich auf Echtzeit-Bedrohungserkennung durch Internet-Scanning und ermöglicht es Organisationen, offene Ports, Sicherheitslücken und Fehlkonfigurationen in ihren Netzwerken aufzudecken. Diese Übernahme reagiert auf eine wachsende Herausforderung: Rund ein Drittel aller Datenpannen sind laut SecurityScorecard mit Drittanbietern verbunden – eine Quote, die vermutlich deutlich unterschätzt wird. Besonders besorgniserregend ist der zunehmende Einsatz von automatisierten Tools und künstlicher Intelligenz durch Partner und Lieferanten, oft ohne ausreichende Zugriffskontrollen oder Transparenz. Für deutsche Unternehmen und Behörden ist diese Entwicklung hochrelevant, da sie zunehmend von vernetzten Lieferketten abhängig sind und gleichzeitig strengere Compliance-Anforderungen erfüllen müssen. Die Integration von Driftnet soll es Sicherheitsteams ermöglichen, Third-Party-Risiken proaktiver zu erkennen und zu bewältigen – eine Fähigkeit, die angesichts der rasanten Entwicklung der Bedrohungslandschaft immer kritischer wird.

Driftnet, ein auf Internet-Scanning spezialisiertes britisches Unternehmen, ermöglicht Organisationen die Echtzeitüberwachung ihrer Netzwerke und jener ihrer Partner. Nutzer können nach Domain, IP-Adresse oder Organisation suchen, um offene Ports, potenzielle Sicherheitslücken, Fehlkonfigurationen oder aktive Angriffskampagnen aufzudecken – genau die Informationen, die für eine wirksame Risikoprävention entscheidend sind.

Die Übernahme von Driftnet reiht sich in SecurityScorcards Strategie ein, ihre TPRM-Plattform systematisch auszubauen. Im März diesen Jahres hatte das Unternehmen bereits die KI-gestützte Lösung TITAN AI eingeführt, um Vendor-Risk-Workflows zu automatisieren. 2023 folgte die Akquisition von HyperComply, das die aufwendige Abfrage von Sicherheitsfragebögen vereinfacht.

Das zentrale Problem, das SecurityScorecard adressiert, ist klar definiert: CEOs und Sicherheitsteams verlieren zunehmend die Kontrolle über ihre Lieferantenketten. Besonders die rasante Verbreitung von agentengestützter KI und automatisierten Tools in Supplier-Umgebungen schafft neue Risiken. Viele Drittanbieter setzen diese Technologien ohne angemessene Zugriffskontrollen, mit exponierten Anmeldedaten und völliger fehlender Transparenz ein – ein ideales Einfallstor für Angreifer.

Dr. Aleksandr Yampolskiy, CEO und Mitgründer von SecurityScorecard, fasst das Dilemma prägnant zusammen: “Die Bedrohungslage hat sich fundamental verändert. KI-gestützte Automatisierung und vernetzte Supply-Chain-Tools haben sich in Unternehmensumgebungen massiv ausgebreitet – und die meisten TPRM-Programme haben keine Sichtbarkeit über die Risiken, die KI für ihre Vendor verursacht.”

Mit Driftnet verspricht sich SecurityScorecard eine engere Verzahnung von Threat-Hunt-Teams, Security-Operations-Centern und TPRM-Fachleuten. Das Ziel: schnellere, proaktivere Erkennung von Bedrohungen im Lieferantennetzwerk, bevor Sicherheitsvorfälle entstehen.

Für deutsche Unternehmen und Behörden ist diese Entwicklung relevant. Sie müssen nicht nur ihre direkte IT-Sicherheit gewährleisten, sondern sind auch zur Überwachung ihrer Zulieferer verpflichtet – insbesondere, wenn diese mit personenbezogenen Daten oder kritischen Infrastrukturen arbeiten. Verstöße gegen DSGVO-Anforderungen zur Auftragsverarbeitung können mit Bußgeldern bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden. Das BSI fordert daher regelmäßig zur Verbesserung der Supply-Chain-Sicherheit auf.

SecurityScorecard will auch Driftnets bestehende Partnerschaften mit CERTs in USA, EU und UK sowie mit mehreren Universitäten beibehalten, die zu globalem Internet-Health-Monitoring beitragen. Die genauen Konditionen der Übernahme wurden nicht offengelegt.