Das Problem beginnt mit einer klassischen Fehleinschätzung: Viele Organisationen behandeln Identität wie eine Perimeterschutzmauer – mit Fokus auf Authentifizierung und Zugriffskontrolle. Doch die echte Gefahr liegt innen. Ein Angreifer braucht nur einen Fuß in der Tür – dann wird Identität zur Schnellstraße durch alle Sicherheitsschichten.
Die Realität ist komplex und vernetztauf mehreren Ebenen. Nehmen wir das Beispiel eines Entwickler-SSO-Accounts, der nach einem Cloud-Migrationsprojekt nie deprovisioned wurde. Wer diesen Account kompromittiert, hat eine vierstufige Route von Developer-Rechten bis zur Admin-Berechtigung in der Production. Oder ein Active-Directory-Gruppenmitglied auf einem Retail-Endpoint, das keiner überprüft hat – plötzlich hat ein Angreifer direkten Zugang zur Corporate Domain.
Was diese Szenarien besonders gefährlich macht: Sie vernetzen sich. Die gecachte Credential führt zur überprivilegierten AD-Rolle, die führt zur Cloud-Workload mit Admin-Policy. Zusammen bilden sie eine durchgehende Angriffsroute – und kein Single-Tool erfasst diesen gesamten Pfad.
Die nicht-menschliche Bedrohung verschärft die Lage
Die Situation verschärft sich durch eine neue Dimension: KI-Agenten und Service-Accounts als Identitäten. Ein Entwickler-Team konfiguriert einen MCP-Server mit hohen Privilegien, damit ihre KI-Tools systemweit operieren können. Der AI-Agent erbt diese Berechtigungen – und wird damit selbst zur kritischen Identität. Eine Sicherheitslücke in der Open-Source-Software, und plötzlich hat ein Angreifer die Admin-Rechte des Agenten. Laut SpyCloud’s 2026 Identity Exposure Report gehört der Diebstahl nicht-menschlicher Identitäten zu den schnellst wachsenden Kategorien im Criminal Underground – ein Drittel der entdeckten Stolen Credentials betrifft AI-Tools.
Warum bestehende Tools versagen
Identity Governance & Administration (IGA)-Plattformen managen den User-Lifecycle, PAM-Lösungen speichern privilegierte Credentials. Jedes Tool macht seinen Job – isoliert. Doch keine dieser Lösungen kartographiert, wie sich Identity-Exposures über Endpoints, Active Directory und Cloud-Umgebungen hinweg zu exploitablen Pfaden zusammensetzen.
Das Ergebnis: Über 90% der Breaches, die Palo Alto 2025 untersuchte, hätten durch vorhandene Tools verhindert werden können. Die Organisationen hatten die Tools und das Personal. Aber die Sicherheitslücken blieben, weil keine einzelne Lösung sah, wie die Angriffspfade wirklich verlaufen.
Der Weg nach vorne
Das Gute: Die meisten dieser Identitäts-Exposures sind vollständig vermeidbar. Sicherheitsprogramme, die Identity, Permissions und Access-Controls über Hybrid-Umgebungen hinweg verbinden und visualisieren, können diese Angriffspfade vor ihrer Ausnutzung schließen. Diejenigen, die Identität noch als reines Perimeterschutz-Problem behandeln, werden gegen Angreifer verlieren, die längst wissen: Identität ist die Autobahn.
