Die Stilllegung von „First VPN” ist das Ergebnis einer Ermittlung, die im Dezember 2021 begann und sich über mehr als zweieinhalb Jahre hinzog. Französische und niederländische Ermittler richteten im November 2023 ein gemeinsames Ermittlungsteam ein. Das Besondere an dieser Operation: Die Behörden infiltrierten die VPN-Infrastruktur, bevor sie abgeschaltet wurde. Dadurch gelang es ihnen, die Nutzerdatenbank zu sichern und die VPN-Verbindungen nachzuverfolgen, über die Cyberkriminelle tatsächliche Anschläge durchführten.
Europol richtete ein operatives Task-Force ein, das Ermittler aus 16 Ländern zusammenbrachte. Diese analysierten die beschlagnahmten Daten und koordinierten den internationalen Informationsaustausch. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden Informationen zu 506 Nutzern ausgetauscht sowie 83 sogenannte „Intelligence Packages” generiert – Erkenntnissammlungen, die laufenden oder kommenden Ermittlungen nutzen.
VPN-Dienste sind per se legitim: Sie verschlüsseln Nutzerdaten, verstecken IP-Adressen und schützen die Privatsphäre. Doch First VPN wurde bewusst als „privacy-fokussierter” Service vermarktet, der angeblich keine Daten protokolliert und Anfragen von Strafverfolgungsbehörden ignoriert – ein Dienst-Modell, das Cyberkriminelle anzieht. Ransomware-Banden, Betrüger und Datendiebe nutzten First VPN, um ihre Standorte und Infrastrukturen zu verschleiern.
Europol hebt in einer Cartoon-ähnlichen Mitteilung hervor, dass Kriminelle zwar vorgeben, Daten zu löschen – doch oft bleiben diese auf Servern erhalten. Diese Botschaft richtet sich auch an deutsche Opfer von Cyberangriffen, denen oft erfolglose Daten-Lösch-Versprechen gemacht werden.
Bislang ist unklar, ob und welche Konsequenzen Nutzer von First VPN selbst erwarten. Die niederländische Polizei bestätigte, dass alle Nutzer benachrichtigt wurden, nannte aber keine Zahlen und äußerte sich nicht zu möglichen strafrechtlichen Ermittlungen. Für Deutschland könnten sich vor allem Opfer von Ransomware-Angriffen durch die Datenbank-Einsicht profitieren, da bisherige BSI-Meldungen häufig unvollständig ausfallen.
