Bislang stammte das Budget für Identitätsprojekte wie Identity Governance (IGA), Zugriffsmanagement (SSO, MFA) oder Privileged Access Management (PAM) typischerweise aus dem IT-Budget des Chief Information Officers (CIO) oder dem Sicherheitsbudget des Chief Information Security Officers (CISO). Bei Projekten rund um KI-Agenten zeigt sich eine deutlich andere Dynamik.
In einer Befragung von 350 IT-Verantwortlichen in der ersten Jahreshälfte 2025 stellte Omdia fest, dass 45 Prozent ein komplett neues, eigenständiges Budget für ihre KI-Agenten-Projekte nutzten – getrennt von Budgets für die digitale Transformation oder für Innovations- und Forschungsvorhaben.
Im Januar 2026 befragte Omdia dann 400 Identitätsverantwortliche zur Finanzierung der Identitätssicherheit für KI-Agenten. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) gab an, ein separates, eigenständiges KI-Budget anzuzapfen. Damit werde gewissermaßen eine Identitäts-„Steuer" auf das KI-Budget erhoben, um die nötigen Sicherheitsschichten zu finanzieren.
Das eigenständige KI-Budget war die häufigste Antwort. Daneben nannten die Befragten weitere Wege: die Umverteilung von Mitteln aus anderen Technologie- oder Innovationsbudgets (28 Prozent), die Nutzung von Budgets für digitale Transformation oder KI-Initiativen (21 Prozent) sowie die Kürzung bestehender Identitätsbudgets in anderen Bereichen (15 Prozent).
Identitätssicherheit für KI-Agenten erfordert laut Omdia neue Schichten: Sichtbarkeit (ein Inventar der Agenten-Identitäten und Einblick in deren Aktivitäten), fein abgestuftes Zugriffsmanagement (Schutz vor überprivilegierten Agenten und langlebigen Anmeldedaten), Governance (Abgleich der Zugriffe mit Richtlinien, Kontrolle gegen „KI-Drift") sowie Lebenszyklusmanagement. Identitätsverantwortliche müssen ihre Sicherheitskollegen und andere Beteiligte über die Rolle der Identität für Compliance, Sicherheit und die Skalierung von KI-Projekten aufklären.
Auffällig ist beim Vergleich der beiden Umfragen eine Differenz von knapp zehn Prozentpunkten: Während 45 Prozent der IT-Verantwortlichen ein eigenständiges KI-Budget angaben, griffen die Identitätsteams nur in 36 Prozent der Fälle darauf zurück. Daraus folgert der Autor, dass den Identitätsteams eine bislang unterschätzte Finanzierungsquelle offensteht. Insbesondere jene 15 Prozent, die ihr bestehendes Identitätsbudget einsetzen, könnten diese Kosten womöglich angemessener über das KI-Budget decken.
Für Unternehmens- und Sicherheitsteams empfiehlt der Autor, sich frühzeitig in die KI-Projekte einzuklinken und die Beteiligten über den Bedarf an Verwaltung, Sicherheit und Governance aufzuklären – statt erst auf einen Sicherheitsvorfall durch nicht genehmigte „Schatten-KI" reagieren zu müssen. Anbietern rät er, die neuen Personas und Entscheidungsträger rund um KI-Initiativen zu verstehen und ihre Kunden mit Argumenten auszustatten.
