Die britische Medienregulierungsbehörde Ofcom hatte sechs große Social-Media-Plattformen – Roblox, Snapchat, Instagram, Facebook, YouTube und TikTok – aufgefordert, bis Ende April Stellung zu ihren Bemühungen zur Entfernung schädlicher Algorithmen, Altersverifikation und zum Schutz vor Sexualstraftätern zu nehmen. Nur fünf dieser Konzerne reagierten konstruktiv auf die Anforderungen.
Snap verpflichtete sich, sämtliche von Ofcom empfohlenen Maßnahmen aus dem “Illegal Harms Code” umzusetzen. Konkret beschränkt die Plattform künftig die Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Kindern und deaktiviert Funktionen, die Minderjährige dazu ermutigen, ihre Kontaktlisten durch unbekannte Personen zu erweitern. Diese neuen Schutzmaßnahmen gelten zunächst für Nutzer im Vereinigten Königreich.
Roblox kündigte an, dass Eltern direkte Chats für Kinder unter 16 Jahren deaktivieren können. Meta gab mehrere Zusagen ab: Instagram wird standardmäßig die Kontaktlisten von Jugendlichen verbergen und künftig künstliche Intelligenz einsetzen, um verdächtige Gesprächsmuster zwischen Erwachsenen und Minderjährigen in Direct Messages zu identifizieren. Erkannte Verstöße werden an das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) gemeldet.
Ofcom signalisierte jedoch, dass diese Zusagen noch nicht ausreichen. Die Regulator fordert Meta zu zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen auf und drohte mit Konsequenzen: “Sollten diese versprochenen Verbesserungen zu langsam umgesetzt oder nicht ordnungsgemäß implementiert werden, werden wir nicht zögern zu handeln.”
Besonders bemerkenswert ist die Weigerung von TikTok und YouTube, nennenswerte Änderungen vorzunehmen. Ofcom kritisierte beide Plattformen scharf dafür, dass sie behaupten, ihre Feeds seien bereits kindersicher – dies widerspreche der veröffentlichten Evidenz. YouTube argumentierte mit bereits vorhandenen Sicherheitsfunktionen, TikTok äußerte sich nicht unmittelbar.
Die britische Regulierung zeigt, wie intensiv der internationale Druck auf Tech-Konzerne zunimmt. Das Vereinigte Königreich prüft zudem ein mögliches Verbot von Social Media für Jugendliche. Diese Entwicklungen werden europaweit beobachtet und könnten Blaupausen für die Enforcement-Praktiken unter der europäischen Digital Services Act liefern. Für deutsche Regulierer und betroffene Unternehmen wird dieser britische Präzedenzfall von großem Interesse sein.
