Young und Gevirtz betrieben von 2016 bis 2022 das US-Technikunternehmen C.A. Cloud Attribution, das dem Betrugsschema zuarbeitete. Zudem gehörte ihnen ein Callcenter in Tunesien, in dem ein Teil der Beschäftigten ebenfalls Tech-Support-Betrug betrieb.
Nach Angaben der Ermittler erfuhren die beiden bereits 2017, dass viele ihrer Kunden in Betrug verwickelt waren, setzten die Zusammenarbeit aber fort. Telefonanbieter und Strafverfolgungsbehörden wandten sich wiederholt mit Beschwerden über den Tech-Support-Betrug an sie. Statt das Schema zu melden, berieten die beiden die Betrüger jedoch darüber, wie sich eine Entdeckung besser vermeiden lasse.
„Zu diesen Techniken gehörte, dass die Kunden große Bestände an Telefonnummern in ihren Pop-up-Anzeigen verwendeten und die in den Anzeigen angezeigten Nummern regelmäßig austauschten", erklärten die Staatsanwälte. Darüber hinaus bewarben Young und Gevirtz die Betrugszentren und brachten die illegalen Geschäfte mit weiteren Beteiligten zusammen, die das Schema unterstützen konnten.
„Nach eigenem Eingeständnis haben sie bewusst von Telemarketing- und Tech-Support-Betrügern im In- und Ausland profitiert, die es auf ältere Menschen abgesehen hatten, Schutzbedürftige ausnutzten und ihre Opfer um ihre Ersparnisse und ihren Seelenfrieden brachten", sagte Ted Docks, Sonderermittler der Bostoner FBI-Abteilung. „Hinter jedem betrügerischen Anruf stand ein echter Mensch, der verängstigt, gedemütigt oder finanziell ruiniert zurückblieb."
Der Vorwurf der unterlassenen Anzeige einer Straftat wirft Betroffenen vor, von einem schweren Verbrechen gewusst und es nicht gemeldet zu haben; er ist mit einer Höchststrafe von drei Jahren bewehrt. Das US-Justizministerium hatte zuvor bereits vier indische Staatsangehörige sowie einen Amerikaner verurteilen lassen, gegen die das FBI wegen ihrer Rolle in dem Schema ermittelt hatte.
Die Schuldbekenntnisse reihen sich in jüngste Bemühungen von Strafverfolgung und Gesetzgebern ein, gegen die Ursachen digitaler Betrugsmaschen vorzugehen. Mehrere Kongressabgeordnete forderten in einem Schreiben drei große Telekommunikationskonzerne auf, ihre Schutzmaßnahmen gegen Betrug zu verstärken. David Schweikert, Vorsitzender des Joint Economic Committee, und das ranghöchste Minderheitsmitglied Maggie Hassan verlangten von AT&T, T-Mobile und Verizon detaillierte Angaben dazu, wie sie betrügerische Anrufe und Textnachrichten erkennen und eindämmen.
„Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass die Anrufe und Nachrichten, die sie erhalten – etwa von der Arztpraxis oder der Schule ihres Kindes –, echt sind", erklärten Schweikert und Hassan. Betrügerische Mitteilungen seien zunehmend schwer von legitimen zu unterscheiden, und ein zu großer Teil der Last bei der Erkennung liege bei den Kunden. Sie verwiesen darauf, dass US-Bürger 2025 insgesamt 52,5 Milliarden automatisierte Anrufe erhielten. Laut Studien der Federal Trade Commission lag der mittlere Schaden bei telefonischem Betrug bei 1.835 Dollar und bei Betrug über Textnachrichten bei 1.000 Dollar.
