Das Justizministerium der USA hat bedeutende Erfolge im Kampf gegen internationale Tech-Support-Betrügerei erzielt. Die Schuldigsprechung von Young und Gevirtz unterstreicht, wie professionell organisierte Cyberkriminelle arbeiten und wie wichtig internationale Kooperation von Strafverfolgungsbehörden ist.
Das Betrugssystem war bemerkenswert ausgeklügelt: Potenzielle Opfer sahen gefälschte Pop-up-Meldungen auf ihren Geräten, die eine Malware-Infektion vortäuschten. Die angegebenen Telefonnummern führten direkt zu Call-Centern in Indien, wo aggressive Verkäufer den Opfern teure “Reparaturdienste” aufdrängten. In mehreren Fällen erhielten die Betrüger sogar Fernzugriff auf die Geräte der Opfer und konnten Finanzinformationen stehlen. Young und Gevirtz betrieben nicht nur das US-Unternehmen C.A. Cloud Attribution, sondern auch ein Call-Center in Tunesien.
Besonders brisant: Die beiden wussten bereits 2017, dass ihre Kunden an Betrügereien beteiligt waren – und halfen ihnen stattdessen, Nachweise zu verschleiern. Sie rieten den Betrügern, große Pools von Telefonnummern zu nutzen und diese regelmäßig zu wechseln. Sie verbanden zudem Betrüger untereinander und halfen bei der Geschäftsanbahnung.
Die Behörden werfen ihnen vor, von Telemarketing- und Tech-Support-Betrügereien gewusst zu haben und wissentlich nicht berichtet zu haben – das Verbrechen der “Misprision of a Felony”. Trotz wiederholter Kontakte durch Telefonanbieter und das FBI zeigten sie keine Remorse und vertuschten stattdessen das Netzwerk.
Die FTC dokumentierte alarmierende Zahlen: 2025 erhielten Amerikaner 52,5 Milliarden Robocalls. Der durchschnittliche Schaden durch Telefon-Scams liegt bei 1.835 Dollar, bei SMS-Betrügerei bei 1.000 Dollar. Das Justizministerium hat bereits vier indische Staatsangehörige und einen weiteren Amerikaner verurteilt.
Im Kongress wächst der Druck auf große Telekommunikationskonzerne wie AT&T, T-Mobile und Verizon, ihre Anti-Scam-Maßnahmen zu verstärken. Senatsausschuss-Vorsitzender David Schweikert und Ranking Member Maggie Hassan fordern transparente Informationen über Maßnahmen zur Erkennung und Blockierung von Betrügereien.
Young und Gevirtz werden am 16. Juni verurteilt. Die Höchststrafe beträgt drei Jahre Gefängnis.
