Nach Darstellung der Ermittler täuschten die Hintermänner mit Pop-up-Anzeigen eine Schadsoftware-Infektion auf den Rechnern der Nutzer vor und veranlassten die Opfer dazu, eine angegebene Nummer anzurufen. Dort verlangten Callcenter-Mitarbeiter mehrere Hundert Dollar für erfundene technische Dienstleistungen und gaben sich teils als Microsoft oder Apple aus. Einige Betrüger griffen den Angaben zufolge auch aus der Ferne auf die Computer der Opfer zu und entwendeten in manchen Fällen persönliche und finanzielle Daten, um unbefugt Geld abzuheben.
Young und Gevirtz wussten laut Anklage, dass ein Teil ihrer Kunden in Betrugsmaschen verwickelt war, meldeten dies jedoch nicht den Strafverfolgungsbehörden. Stattdessen rieten sie ihren Kunden, große Bestände rotierender Telefonnummern zu nutzen, um Beschwerden zu verringern und Kontosperrungen zu verhindern. Zudem wiesen sie ihren Vertrieb an, die Dienste gezielt an Unternehmen zu vermarkten, von deren betrügerischem Geschäft sie wussten, und brachten Betrüger gelegentlich miteinander in Kontakt, um Anrufe zu kaufen und zu verkaufen.
„Was der CEO und der CSO dieses bekannten Unternehmens für Anrufverfolgung und -analyse getan haben, war schlicht verabscheuungswürdig", sagte Ted E. Docks, leitender Sonderermittler der Bostoner FBI-Abteilung. Nach eigenem Eingeständnis hätten sie wissentlich von Telemarketing- und Tech-Support-Betrügern im In- und Ausland profitiert, die es auf ältere und schutzbedürftige Menschen abgesehen und ihnen ihre Ersparnisse genommen hätten. Hinter jedem betrügerischen Anruf habe ein realer Mensch gestanden, der verängstigt, gedemütigt oder finanziell ruiniert zurückgeblieben sei.
Darüber hinaus betrieben Young und Gevirtz von 2016 bis April 2022 ein Callcenter in Tunesien, in dem einige ihrer Mitarbeiter selbst Tech-Support-Betrug begingen: Sie verschafften sich über manipulierte Links Zugriff auf die Rechner der Opfer, gaben sich als offizieller technischer Support aus und versandten falsche Rechnungen.
Im August 2024 war der Anführer einer Tech-Support-Betrugsmasche zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er mehr als sechs Millionen US-Dollar von mindestens 6.500 älteren Opfern in den USA und Kanada eingenommen hatte. Laut dem Internet Crime Report 2025 des FBI verloren US-Bürger im vergangenen Jahr mindestens 2,1 Milliarden US-Dollar durch Tech-Support-Betrug; die Zahl beruht auf knapp 48.000 Beschwerden, die beim Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI im Jahr 2025 eingingen.
