Drupal hat am 18. Mai eine öffentliche Sicherheitsmitteilung veröffentlicht und darin vor einer kritischen SQL-Injection-Lücke gewarnt. Bereits vier Tage später bestätigte das CMS-Projekt, dass Exploitierungsversuche in der Wildbahn stattfinden. Die Schwachstelle CVE-2026-9082 wurde von Michael Maturi, einem Sicherheitsforscher bei Google/Mandiant, entdeckt und betrifft die Datenbankabstraktions-API von Drupal.
Die Lücke ermöglicht es Angreifern, speziell präparierte Anfragen zu senden, um SQL-Injektionen auf Systemen auszulösen, die PostgreSQL als Datenbanksystem nutzen. SQL-Injection ist eine weit verbreitete Angriffstechnik, bei der Hacker bösartige SQL-Befehle über Eingabefelder oder Dialoge in Webseiten einschleusen und so unauthorized Zugriff auf sensible Daten erhalten können.
Besonders kritisch: Die Lücke ist ohne Authentifizierung ausnutzbar. Das bedeutet, ein Angreifer muss sich nicht einmal anmelden, um die Schwachstelle auszunutzen. Die möglichen Folgen sind weitreichend – Remote-Code-Execution, Privilegien-Eskalation und Informationspreisgabe sind denkbar. Drupal hat das interne Risikoscore auf 23 von 25 Punkten gesetzt, was die Kritikalität unterstreicht. Das US-amerikanische NIST bewertet die Schwachstelle allerdings als mittelschwer (CVSS 6.5), eine Bewertung, die die tatsächliche Gefahr eher zu verharmlosen scheint.
Die Lücke betrifft ein breites Spektrum an Drupal-Versionen. Drupal empfiehlt allen Administratoren, sofort auf die neueste verfügbare Version ihrer jeweiligen Branch zu upgraden. Besonders problematisch ist die Situation für Nutzer von Drupal 8 und 9, die bereits das End-of-Life (EoL) erreicht haben. Für diese Versionen werden Patches nur noch auf Best-Effort-Basis bereitgestellt – ein klares Signal, dass längerfristiger Support nicht garantiert ist.
Auch wer nicht PostgreSQL nutzt, sollte aktualisieren: Die Sicherheitsupdates enthalten zusätzliche Fixes für abhängige Komponenten wie Symfony und Twig. Diese Abhängigkeiten könnten andernfalls zu weiteren Sicherheitslücken führen.
Für deutsche Organisationen ist dies eine Gelegenheit, ihre Sicherheitskultur zu demonstrieren. Ein Datenschutzverstoß durch fehlende oder verspätete Patches kann zu erheblichen Konsequenzen führen. Die schnelle Behebung dieser Lücke ist daher nicht nur ein technisches, sondern auch ein Compliance-Gebot.
