Als konkretes Beispiel nennt IPQS den besorgniserregenden Anstieg von Account-Übernahmen (Account Takeovers, ATOs) im E-Commerce und bei Fluggesellschaften. Während Teams an reibungslosen Nutzererlebnissen arbeiten, machen erfolgreiche Übernahmen diese Mühe schnell zunichte: Sie treiben die Kundenabwanderung, erhöhen über negative Mundpropaganda die Akquisekosten und ermöglichen über gestohlene persönliche Daten Identitätsdiebstahl außerhalb der Plattform. Hinzu kommen direkte Verluste, etwa durch die Erstattung gestohlener Guthaben einschließlich Treuepunkten.

Ähnliche Muster zeigen sich laut IPQS quer durch die Branchen: iGaming-Plattformen verzeichnen betrügerische Auszahlungen nach Kontoänderungen, im Bankensektor steigt der Betrug mit synthetischen Identitäten, und Plattformen für Geldtransfers haben mit Identitätsdiebstahl zu tun, der zum Aufbau und Betrieb betrügerischer Unternehmen genutzt wird.

Die andere Seite des Problems ist der Umsatz, den ein Unternehmen nie erzielt. Sind Regeln oder Werkzeuge zu streng, werden gute Kunden abgewiesen oder in langsame manuelle Prüfungen gezwungen. Falsch-Positive zählen laut IPQS zu den größten und zugleich am wenigsten sichtbaren Kosten der Betrugsprävention: Ein legitimer Kunde, dessen IP-Adresse, Gerät oder E-Mail als „riskant“ eingestuft wird, bricht den Kauf womöglich ab und kehrt nie zurück. Aus Sicht von IPQS sind präzises Risiko-Scoring und dessen Feinabstimmung daher ebenso wichtig wie das Erkennen von Betrug selbst.

Auch der operative Aufwand wiegt schwer. Jede verdächtige Bestellung in der manuellen Prüfung verursacht Personalkosten, verzögert die Abwicklung und schafft Reibung für wartende Kunden. Dazu stapeln sich betrugsbezogene Tickets in den Support-Warteschlangen – von Erstattungsanfragen über Kontosperren bis zu Streitigkeiten über Missbrauch von Aktionen. Bei umsatzstarken Händlern und Plattformen kann diese Belastung den direkten Verlust erreichen.

Letztlich ist Betrug für IPQS ein Vertrauensproblem: Werden Konten übernommen oder missbrauchen Fake-Accounts eine Plattform, zweifeln legitime Nutzer daran, ob ihre Daten und ihr Geld sicher sind. IPQS arbeitet häufig mit Unternehmen, bei denen Betrug zum Marken- und nicht nur zum Risikothema geworden ist.

Ein ausgereiftes Programm zieht laut IPQS daher weitere Kennzahlen neben den Chargebacks heran: die Genehmigungsrate für gute Kunden, die Falsch-Positiv- bzw. „Good-Customer-Decline“-Rate, die Quote manueller Prüfungen samt durchschnittlicher Entscheidungszeit, Umfang und Wert betrugsbezogener Erstattungen, Missbrauchsraten bei Aktionen, Empfehlungs- und Treueprogrammen sowie die Zahl der Account-Übernahmen und des Missbrauchs neuer Konten.

Als Datenanbieter für Betrug und Risiko bewertet IPQS nach eigenen Angaben nicht nur die Zahlungsdetails, sondern Nutzer und Verhalten über Signale wie IP-Reputation, Geräteinformationen, E-Mail-Historie und frühere Missbrauchsmuster. Stimmen Risikobewertungen mit den eigenen Ergebnisdaten überein, entwickeln sich die Kennzahlen weg von „Chargebacks in diesem Monat“ hin zur „Gesamtwirkung auf Umsatz, Kosten und Wachstum“.