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Erste internationale Großoperation: Kriminelles VPN-Netzwerk First VPN zerschlagen

Erste internationale Großoperation: Kriminelles VPN-Netzwerk First VPN zerschlagen
Zusammenfassung

Die internationale Strafverfolgungsbehörde hat am 19. und 20. Mai einen bedeutenden Schlag gegen die Cyberkriminalität geführt: Das VPN-Netzwerk „First VPN" wurde zerschlagen, das seit etwa 2014 als spezialisiertes Werkzeug für Ransomware-Angreifer, Betrüger und Datendiebe fungierte. Die Aktion war ein beispielloses internationales Gemeinschaftsprojekt unter Führung Frankreichs und der Niederlande mit Unterstützung von 16 weiteren Ländern, darunter Deutschland. First VPN bot seinen Kunden optimale Bedingungen für die Verschleierung ihrer kriminellen Aktivitäten: umfassende Anonymität, keine Speicherung von Protokollen und Zahlungsmöglichkeiten in Kryptowährungen. Mindestens 25 Ransomware-Gruppen nutzen das Netzwerk regelmäßig für Netzwerkaufklärung und Eindringversuche. Für deutsche Unternehmen und Behörden ist diese Entwicklung hochrelevant, da sie zeigt, dass internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Cyberkriminalität möglich ist. Zugleich verdeutlicht die Aktion, wie wichtig robuste Sicherheitsmaßnahmen gegen Ransomware-Attacken sind, die nach dieser Zerschlagung möglicherweise durch alternative Infrastrukturen ersetzt werden könnten.

Das First VPN Service war nicht einfach ein normales VPN-Unternehmen – es war eine speziell für kriminelle Zwecke konzipierte Infrastruktur. Das Netzwerk bot seinen Nutzern strikte Anonymität, akzeptierte nur Kryptowährungen und andere schwer nachzuverfolgbare Zahlungsmethoden wie Perfect Money und Webmoney, und versprach, keine Logs zu speichern, die eine Verbindung zwischen IP-Adresse und Nutzer ermöglichten. Abos kosteten zwischen 2 Dollar pro Tag bis 483 Dollar für ein Jahresabo.

Das Netzwerk wurde aktiv auf russischsprachigen Cybercrime-Foren wie Exploit.in und XSS.is beworden – ein klares Indiz für seine kriminelle Bestimmung. First VPN bot moderne Verschlüsselungstechnologien wie OpenVPN, WireGuard und das speziell entwickelte “VLESS-Reality”-Protokoll an, das VPN-Verkehr als gewöhnliches HTTPS-Traffic verkleiden konnte – eine Technik, um Firewalls und Überwachungssysteme zu umgehen.

Die 25 identifizierten Ransomware-Gruppen nutzten First VPN für Netzwerk-Aufklärung, Eindringversuche und schließlich für Lösegelderpressungen. Die Infrastruktur umfasste 32 Exit-Knoten in 27 Ländern – verteilt über Amerika, Europa, Asien und Australien, um globale Operationen zu ermöglichen. Drei dieser Knoten befanden sich in den USA, weitere in sensiblen Regionen wie Deutschland, Luxemburg und der Schweiz.

Die internationale Koordination war beeindruckend: Insgesamt 15 Nationen beteiligten sich an der Ermittlung, die 2021 begann. Während der Aktion im Mai führten Behörden ein Hausdurchsuchung in der Ukraine durch, befragten die Service-Administratoren und übernahmen umfangreiche Systeminfrastrukturen.

Besonders bemerkenswert ist, wie First VPN versuchte, sich rechtliche Deckung zu geben: Die Nutzungsbedingungen verboten angeblich “streng” illegale Aktivitäten. Dies war offensichtlich eine Fassade – wie Behörden dokumentiert haben, wurde das Service präzise als kriminelle Infrastruktur betrieben und vermarktet.

Die Operation demonstriert wachsende Fähigkeiten der internationalen Strafverfolgung, Cyberkriminalität zu bekämpfen. Gleichzeitig offenbart sie, wie hochentwickelt kriminelle Infrastrukturen geworden sind und wie sie gezielt deutsche und europäische Unternehmen gefährden.