Die Festnahmen erfolgte nach intensiven Ermittlungen der niederländischen Finanzkriminalitätsbehörde FIOD. Neben dem 57-jährigen Geschäftsführer von Stark Industries wurde auch ein 39-jähriger Mann verhaftet, der eine separate Firma leitete, die Internetkonnektivität bereitstellte. Gemeinsam sollen beide Verdächtige indirekt wirtschaftliche Ressourcen an von der EU sanktionierte russische und belarussische Entitäten geleitet haben.
Stark Industries wurde am 10. Februar 2022 gegründet — nur wenige Wochen vor Russlands Invasion der Ukraine. Das Timing ist kaum zufällig: Die Hosting-Firma wurde offenbar von Anfang an als Werkzeug zur Unterstützung russischer Operationen konzipiert. Die Behörden dokumentierten, wie die Plattform Cyberangriffe ermöglichte, die darauf abzielten, “Demokratie und Sicherheit zu untergraben, einschließlich durch Informationsmanipulation und Störung öffentlicher sowie wirtschaftlicher Systeme”.
Nachdem die EU Stark Industries am 20. Mai des vergangenen Jahres auf die Sanktionsliste setzte, gründeten die Betreiber schnell ein neues Unternehmen: WorkTitans B.V., das unter der Marke THE.Hosting operiert. Dies ist ein klassisches Muster bei sanktionierten Entitäten — die Infrastruktur wird einfach in eine neue juristische Person überführt, um die Maßnahmen zu umgehen. Die Recherchen der niederländischen Zeitung De Volkskrant enthüllten, dass WorkTitans mit der pro-russischen Hacktivist-Gruppe NoName057(16) verbunden ist, die für massive DDoS-Angriffe bekannt ist.
Besonderes Augenmerk verdient auch die Rolle von Mirhosting aus Almere: Das Unternehmen verwaltete physische Server, bot Colocation-Dienste an und stellte Hochkapazitäts-Konnektivität zu großen Internet-Austauschknoten in Amsterdam und Frankfurt bereit. Damit fungierte Mirhosting als zentrale Transitschicht, durch die der Datenverkehr von Stark’s Infrastruktur nach Europa gelangte. Während Mirhosting behauptet, schnell auf Missbrauchsmeldungen reagiert zu haben, zeigt die Beschlagnahme von 800 Servern das wahre Ausmaß der Operationen.
Für deutsche Cybersicherheit ist dieser Fall hochrelevant. Das BSI sollte prüfen, ob ähnliche Strukturen auch deutsche Infrastruktur für state-sponsored Attacks nutzen. Unternehmen, die mit europäischen Hosting-Anbietern arbeiten, sollten ihre Lieferantenketten überprüfen und sicherstellen, dass keine Sanktionsverstöße stattfinden.
