Kali365 funktioniert nach einem perfiden Schema: Cyberkriminelle versenden Phishing-E-Mails, die legitime Dienste wie Microsoft 365, Adobe oder DocuSign imitieren. Die Nachrichten enthalten Codes und Anweisungen, die Nutzer auf echte Microsoft-Authentifizierungsseiten führen. Wenn das Opfer dort den Code eingibt, autorisiert es unbewusst ein Gerät des Angreifers, auf sein Konto zuzugreifen. Mit den so erbeuteten OAuth-Zugriffstoken können Kriminelle anschließend auf Outlook, Teams und OneDrive zugreifen – ohne Passwort oder zusätzliche Verifikation.
Das besonders Bemerkenswerte an Kali365 ist seine Benutzerfreundlichkeit für Angreifer: Die Plattform bietet KI-generierte Phishing-Vorlagen in dutzenden Sprachen, automatisierte Kampagnen-Templates und Echtzeit-Überwachungs-Dashboards. Die Preise reichen von 250 Dollar für 30 Tage bis 2.000 Dollar für 365 Tage. Sogar eine herunterladbare Desktop-Version wird angeboten – ein Geschäftsmodell, das die Demokratisierung von Cyberattacken verdeutlicht.
Besonders besorgniserregend: Die gestohlenen OAuth-Token sind nicht an einzelne Sessions gebunden. Sie ermöglichen persistente, unbegrenzte Zugriffe auf Microsoft-365-Umgebungen und können weitergegeben oder wiederverwendet werden. Sicherheitsforscher von Arctic Wolf dokumentierten, dass Angreifer damit Kontakte harvesten, Phishing-Kampagnen verteilen, Sicherheitsbenachrichtigungen unterdrücken und – bei administrativen Konten – organisationsweite Schäden anrichten können.
Das FBI betont, dass Kali365 seit April 2026 aktiv ist. Parallel warnten mehrere Cybersecurity-Unternehmen vor hunderten Angriffen, die mit dieser und ähnlichen Plattformen durchgeführt wurden. Microsoft kündigte ebenfalls die Disruption eines vergleichbaren kriminellen Tools an.
Für deutsche Organisationen sind die Implikationen erheblich: Unternehmen und Behörden, die von Kali365-Angriffen betroffen werden, müssen Datenpannen gemäß DSGVO dem Bundesdatenschutzbeauftragten (BfDI) melden – bei fahrlässigen Fehlern drohen Bußgelder bis 4 Prozent des Jahresumsatzes. Das BSI empfiehlt verstärkte Aufklärung der Nutzer, die Überprüfung von OAuth-Genehmigungen und die Implementierung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen. Kali365 symbolisiert eine wachsende Bedrohung: Cyberkriminalität wird zunehmend professionalisiert, modularisiert und für breite Angreifer-Kreise zugänglich gemacht.
