Die Sicherheitslücke CVE-2026-26980 wurde bereits im Februar gepatcht, doch viele Betreiber spielten das Update nicht zeitnah ein. Dies nutzen Angreifer systematisch aus: Sie extrahierten über die SQL-Injection-Flaw die Admin-API-Keys der betroffenen Websites und nutzten diese, um auf das Backend zuzugreifen. Dort injizierten sie schließlich bösartige JavaScript-Code in bestehende Artikel – speziell Loader für ClickFix-Attacken, eine moderne Variante von Malware-Angriffen, die Nutzer über gefälschte Meldungen zur Installation von Schadsoftware verleiten.
Bemerkenswert ist der Zeitstempel eines in den Angriffen verwendeten DLL-Files: 16. Februar – genau der Tag, an dem der Patch für CVE-2026-26980 angekündigt wurde. Qianxin begann jedoch erst im frühen Mai, gehackte Websites zu identifizieren. Das deutet darauf hin, dass Angreifer organisiert vorgingen und gezielt nach noch ungepatchten Ghost-Installationen suchten.
Aus der Analyse der über 700 kompromittierten Seiten ergibt sich ein differenziertes Bild: Etwa die Hälfte sind persönliche Blogs und unabhängige Websites, doch auch Dutzende Softwareentwicklungs- und Tech-Blogs, Kryptowährungs- und KI-Plattformen wurden getroffen. Das breite Spektrum zeigt, dass Angreifer nicht selektiv vorgingen, sondern maschinell nach anfälligen Ghost-Installationen scannten.
Besonders problematisch: Qianxin benachrichtigte zwar viele Opfer, doch die Mehrheit reagierte nicht auf die Warnungen. Noch alarmierender ist die Beobachtung, dass mindestens zwei separate Angreifer-Gruppen aktiv sind und sich gegenseitig überschreiben – auf manchen Websites wurden mehrmals täglich unterschiedliche Malware-Varianten eingeschleust.
Für deutsche Unternehmen und Behörden mit Ghost-Installationen ergibt sich eine dringende Handlungsnotwendigkeit. Das BSI rät zu sofortigen Updates und zur Überprüfung, ob Websites während des Infektionszeitraums manipuliert wurden. Besonders im Kontext der DSGVO-Meldepflicht für Datenschutzverletzungen könnten Betreiber in die Pflicht genommen werden – der Bundesdatenschutzbeauftragte (BfDI) mahnt regelmäßig zur rechtzeitigen Patchwartung.
