Die litauische Generalstaatsanwaltschaft machte den Datenabfluss am Freitag öffentlich. Betroffen waren vor allem die Register für Immobilien und juristische Personen. Nach Darstellung der Ermittler verschafften sich die Verantwortlichen Zugang, indem sie die Anmeldedaten von Institutionen verwendeten, die zum Empfang der Daten autorisiert sind.
Unmittelbar nach Bekanntwerden setzten die Behörden zusätzliche Cybersicherheitsmaßnahmen um. Dazu zählten das Sperren der Konten verdächtiger Datennutzer sowie eine Beschränkung des Zugangs, die mit der Pflicht zur Aktualisierung der Zugangsdaten verbunden war.
Persönliche Konsequenzen zog der Leiter der staatlichen Registerzentrale (State Enterprise Centre of Registers), Adrijus Jusas, der am Montag von seinem Posten zurücktrat.
Die Staatsanwaltschaft verdächtigt einen ausländischen Staat der Beteiligung, ohne das Land zu benennen. In Litauen herrscht besondere Vorsicht: Das Land mit 2,9 Millionen Einwohnern gilt als eines der Hauptziele des hybriden Vorgehens Russlands gegen Europa, das Sabotage, Brandanschläge und Vandalismus ebenso umfasst wie Einflussoperationen.
Der Oppositionspolitiker Laurynas Kasčiūnas äußerte am Sonntag in den sozialen Medien den Verdacht, hinter dem Datendiebstahl stehe eine russische Geheimdienstoperation, legte dafür aber keine Belege vor. Er warnte, möglicherweise seien Adressen von Geheimdienstmitarbeitern, Militärangehörigen, Diplomaten oder Politikern abgegriffen worden. Dies könnte es den Tätern erlauben, die Betroffenen auszuspähen oder unter Druck zu setzen.
