Die Silent Ransom Group operiert seit mindestens 2022 international und hat sich seit 2023 speziell auf amerikanische Anwaltskanzleien konzentriert. Ihre ursprüngliche Taktik bestand aus Callback-Phishing-E-Mails und Social-Engineering-Anrufen, bei denen die Angreifer vorgaben, bei der Stornierung von Abonnements zu helfen. Im Mai 2025 warnte das FBI vor phishing-E-Mails mit Links zu Remote-Access-Software.
Doch die Gruppe hat aufgerüstet. In diesem Jahr setzen SRG-Akteure nun eine doppelgleisige Strategie um: Sie rufen Angestellte direkt an oder versenden Phishing-E-Mails und geben sich dabei als Mitarbeiter der internen IT-Abteilung aus. Gelingt es ihnen, den Zielrechner per Remote-Desktop-Session zu kompromittieren, folgt sofort die Datenexfiltration. Schlägt dieser Versuch fehl, schickt die Gruppe einen Operateur persönlich vor Ort – eine Eskalationsstufe, die zeigt, wie ernst es diesen Angreifern ist.
Der vor-Ort-Agent behauptet dann, ein Backup oder Disk-Image erstellen zu müssen, um Folgeschäden durch die gefälschte Phishing-E-Mail zu beheben. In Wahrheit steckt die Person einen USB-Stick oder ein externes Laufwerk in den Computer ein, um Daten zu kopieren.
Zur Datenexfiltration nutzt SRG Tools wie WinSCP oder eine Variante von Rclone. Besonders perfide: Die Angreifer kopieren die Daten oft in legitime Cloud-Plattformen wie Google Drive oder Microsoft OneDrive – dies erschwert die Erkennung erheblich. Danach erpressen sie die Opfer, indem sie drohen, die Daten zu veröffentlichen, und kontaktieren auch Mitarbeiter und Kunden, um Druck aufzubauen.
Ein großes Problem: SRG hinterlässt kaum Spuren. Traditionelle Antivirus-Lösungen schlagen oft nicht an, da die Gruppe legitime System-Management- und Remote-Access-Tools nutzt. Das FBI empfiehlt Organisationen daher, alle Zugriffe auf Unternehmensressourcen zu überprüfen, Datenzugriffe zu limitieren, Mitarbeiter zum Erkennen von Phishing zu schulen, klare IT-Support-Richtlinien zu etablieren und phishing-resistente Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu implementieren. Regelmäßige Backups, Blockierung häufig ausgebeuteter Ports und die Deaktivierung von Remote-Zugriff sind weitere essenzielle Schutzmaßnahmen.
