Seit seinem Amtsantritt im März 2025 führt General Rudd sowohl das US Cyber Command als auch die National Security Agency (NSA). Seine schnelle Entscheidung, externe und interne Studien zu beauftragen, signalisiert einen pragmatischen Ansatz gegenüber bisherigen Cyber-Kommandanten, die typischerweise erst nach mehreren Monaten externe Evaluationen anforderten. Rudds militärischer Hintergrund liegt primär im Special Operations Command – ein Umstand, der unter Beobachtern sowohl Skepsis als auch Verständnis für seine Reformungedul auslöst.
Die MITRE-Evaluierung wird sich voraussichtlich auf zentrale Herausforderungen konzentrieren: die Beschaffungsarchitektur des Kommandos sowie die Frage, wie militärische Cyber-Talente besser akquiriert und gehalten werden können. Diese Punkte sind für das Cyber Command chronisch problematisch. Die Ergebnisse sollen in Rudds 90-Tage-Review einfließen, ein Standardverfahren für neu ernannte Combatant Commanders.
Parallel dazu initiierte Rudd eine interne “Confederation” von Führungskräften mit Special-Operations-Erfahrung, um schnelle Verbesserungen zu identifizieren. Ein Kommandooffizieller beschrieb deren bisherige Ergebnisse jedoch als “nicht substanziell”.
Das Herzstück von Rudds Reformagenda ist die “CYBERCOM 2.0”-Strategie. Diese wurde unter der Biden-Administration genehmigt, wird unter Trump jedoch beschleunigt und erweitert. Ein Kernpfeiler ist die geplante Cyber Innovation Warfare Center – eine schnellere Akquisitionseinheit, ähnlich erfolgreichen Modellen in anderen Verteidigungsbereichen. Das Budget sieht 75 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 2027 vor. Rudd betonte vor dem Senat, dass diese Initiative “jeden Monat neue Meilensteine erreicht” und die Zusammenarbeit mit Industrie und akademischen Instituten stärkt.
Beobachter merken an, dass die zeitliche Kumulierung der Reviews ungewöhnlich ist. Rudds mangelnder Hintergrund in Cyber-Operationen könnte aber auch ein Vorteil sein: Externe Perspektiven könnten Betriebsblindheit aufbrechen. Ein ehemaliger hochrangiger Cyber-Offizieller schlug vor, dass Rudd von erfahrenen “Grey Beards” – pensionierte Fachleute – profitieren könnte, die Einblicke in historische Entscheidungen und zukünftige Prioritäten bieten.
Für Deutschland und die europäische Cybersicherheitslandschaft bleibt abzuwarten, wie die reformierte US-Cyber-Strategie auf NATO-Ebene und in internationalen Kooperationen wirkt. Die verstärkte Fokussierung auf schnellere Operationalisierung und “Confrontation in Cyberspace” – wie Trump sie formuliert – könnte europäische Sicherheitsarchitekturen beeinflussen.
