Die Urteilsfällung gegen Ramanan Pathmanathan markiert einen Wendepunkt in der strafjustiziatuellen Bekämpfung von Sextortion. Neben der 33-jährigen Freiheitsstrafe muss der Verurteilte sich als Sexualstraftäter registrieren lassen und wird anschließend 10 Jahre unter Aufsicht entlassen. Erschwerend kommt hinzu, dass Pathmanathan bereits in Kanada eine 12-jährige Freiheitsstrafe verbüßt, nachdem er sich 2022 dort wegen ähnlicher Straftaten schuldig bekannt hatte.
Besonders schockierend sind die Details der Verbrechen: Zwischen März 2014 und seiner Verhaftung am 10. März 2021 nutzte Pathmanathan multiple Instagram- und Facebook-Messenger-Konten, um sich als jugendlicher Junge aus New Jersey auszugeben. Er kontaktierte mindestens 145 junge Opfer, forderte sie auf, sexuelle Handlungen vor der Webcam durchzuführen, und drohte, die Aufnahmen an ihre Familien weiterzuleiten, falls sie sich weigerten oder seinen Account blockierten. Das US-Justizministerium dokumentierte: Der Täter zwang seine Opfer, ihre Genitalien freizulegen und sexuelle Akte mit Tieren und Familienmitgliedern zu begehen. Teilweise zeigte er den Kindern Bilder erwachsener Personen beim Sex, um ihnen zu zeigen, was er verlangte. Einige Opfer waren gerade einmal sechs Jahre alt.
Pathmanathan speicherte die Aufnahmen der sexuellen Aktivitäten auf seinem Desktop-Computer – Beweise, die seine systematische Vorgehensweise offenbarten. Dies unterscheidet seinen Fall vom typischen Sextortion-Muster, bei dem die Erpresser oft mit erfundenen oder gehackten Aufnahmen arbeiten. Hier lagen echte, durch Gewalt erpresste Aufnahmen vor.
Die Warnung des FBI aus September 2021 vor massiv gestiegenen Sextortion-Beschwerden bleibt aktuell. Experten raten Betroffenen, jeglichen Kontakt zu Erpressern sofort zu beenden, Strafverfolgungsbehörden einzuschalten und Anzeige zu erstatten. Für deutsche Behörden wie das BSI und das Bundeskriminalamt ist dieser Fall ein Beispiel für die grenzüberschreitende Natur dieser Verbrechen und die Notwendigkeit internationaler Kooperation. Eltern und Schulen sollten Kinder über die Gefahren von unbekannten Online-Kontakten aufklären und ein offenes Gesprächsklima schaffen, damit Minderjährige Sextortions-Versuche melden können.
