Die Sicherheitsforscher von Arctic Wolf dokumentieren erstmals detailliert, wie Angreifer die Lücke CVE-2026-35616 in der Praxis ausnutzen. Der Angriff folgt einer raffinierten Methodik: Zunächst manipulieren die Täter über die fehlende Zugriffskontrolle die EMS-Konfiguration und VPN-Richtlinien. Sekunden nachdem ein Endpoint einen IPsec-Tunnel zu einem FortiGate-Firewall aufbaut, wird die legitime fortitray.exe-Anwendung missbraucht, um bösartige Batch-Skripte über die Kommandozeile zu starten.
Diese Skripte führen dann einen base64-codierten PowerShell-Payload aus, der die versteckte Malware herunterlädt – präsentiert als authentisches Fortinet-Patch. Nach der Installation exfiltriert EKZ Daten via HTTP an Server unter Kontrolle der Angreifer.
Die EKZ-Infostealer-Malware selbst ist funktional umfangreich: Sie zielt auf Chrome-, Edge- und Firefox-basierte Browser ab und extrahiert gespeicherte Anmeldedaten, Kreditkartennummern, Adressen und Cookies. Besonders kritisch: Durch das Abgreifen von Authentifizierungs-Cookies können Angreifer auch auf Konten mit Zwei-Faktor-Authentifizierung zugreifen.
Arctic Wolf empfiehlt Unternehmen, nach spezifischen Log-Einträgen zu suchen. Ein Indikator ist die Fehlermeldung “Certificate not found in request header”, gefolgt von erfolgreicher Zertifikat-Aktualisierung. Verdächtige administrative Aktivitäten – neue Benutzerkonten, Anmeldungen von Tor-IP-Adressen oder VPS-Servern, unerwartete Änderungen an Remote Access Profiles – sind ebenfalls Alarmsignale.
Für deutsche Unternehmen ist die Situation kritisch. Viele nutzen Fortinet-Produkte für Fernzugriff und VPN-Infrastruktur. Die DSGVO-Meldepflicht (Art. 33) tritt in Kraft, sobald ein Datenverlust von persönlichen Daten droht – Bußgelder können bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes betragen. Das BSI hat bereits mehrfach vor der Welle aktiver Ausnutzungen gewarnt.
Organisationen sollten sofort handeln: Alle betroffenen FortiClient EMS-Versionen müssen gepatcht werden. Gleichzeitig sollten Logs der letzten Wochen auf Anomalien durchsucht und Zertifikat-Authentifizierungen überprüft werden.
