Mythos wurde im April als eingeschränktes Modell angekündigt und nur an ausgewählte Unternehmen sowie Sicherheitsforscher ausgegeben. Anthropic begründete den Verzicht auf eine öffentliche Freigabe damals mit erheblichen Sicherheitsrisiken für öffentliche und private Software.

Bei der Vorstellung im April warnte das Unternehmen, der Vorteil werde der Seite gehören, die am meisten aus diesen Werkzeugen herausholen könne. Kurzfristig könnten das Angreifer sein, sofern führende Labore beim Veröffentlichen solcher Modelle nicht sorgfältig vorgehen. Langfristig erwartet Anthropic dagegen, dass die Verteidiger profitieren, die Ressourcen gezielter einsetzen und mit diesen Modellen Fehler beheben, bevor neuer Code überhaupt ausgeliefert wird.

KI-Unternehmen verzichten in der Regel so lange auf die Freigabe leistungsstarker Modelle, bis sie wirksame Schutzmechanismen gegen Missbrauch entwickelt haben. Offenbar ist Anthropic dies bei Mythos gelungen – einem Modell, das als weit leistungsfähiger gilt als Opus 4.8 und andere im Internet verfügbare Modelle.

In seinem Blogbeitrag erklärte Anthropic, man mache rasche Fortschritte bei der Entwicklung dieser Schutzmechanismen und erwarte, die Mythos-Modelle in den kommenden Wochen für alle Kunden bereitstellen zu können. Einen konkreten Zeitrahmen nannte das Unternehmen nicht.

Nach eigenen Angaben erlaubt Anthropic bereits einer kleinen Zahl von Organisationen, eine Claude-Mythos-Vorschau für Cybersicherheitsarbeit zu nutzen. Unklar bleibt, ob dasselbe Modell auch öffentlich ausgerollt wird. Laut Unternehmen zeigt Mythos deutliche Verbesserungen beim Schlussfolgern über Code und bei der Autonomie, weit oberhalb des aktuellen Spitzenmodells Opus 4.8.

Bemerkenswert ist zudem, dass das Modell „Mythos-preview" für einige Nutzer kurzzeitig in Claude Code auftauchte, bevor es wieder offline genommen wurde.