Die Aktivitäten von GreyVibe offenbaren ein neues Kapitel in der Professionalisierung von Cyberattacken: Die Gruppe nutzt großsprachige Modelle systematisch zur Automatisierung und Verbesserung ihrer Angriffskampagnen. Die Verbindung zu russischen Akteuren wird durch mehrere Indikatoren gestützt – der Malware-Panels sind in Russisch beschriftet, Code-Kommentare deuten auf russischsprachige Entwickler hin, und die Command-and-Control-Server sind auf UTC+3 (Moskauer Zeit) konfiguriert.
Das Malware-Arsenal von GreyVibe ist beeindruckend divers. Der PowerShell-basierte Remote Access Trojan LegionRelay ist in der Lage, Dateien zu stehlen, Screenshots anzufertigen, Browser-Anmeldedaten abzugreifen und WhatsApp- sowie Telegram-Daten zu exfiltrieren. Eine zweite RAT namens PhantomRelay bietet erweiterte Funktionen wie dynamisches Script-Laden und Windows-Befehlsausführung. Für Mobile-Targets kommt FallSpy zum Einsatz – ein Android-Spyware, die Kontaktlisten, Anrufprotokolle, Standortdaten und SIM-Informationen erfasst.
Was die Gruppe technisch von klassischen Nation-State-Akteuren unterscheidet, ist das Fehlen typischer staatlicher Operationsdisziplin. WithSecure-Forscher weisen darauf hin, dass GreyVibe Entwicklungs- und Test-Samples auf öffentliche Scanning-Plattformen hochgeladen hat – ein Anfängerfehler, den etablierte Geheimdienste nicht machen würden. Zudem wurden auf einigen Opfer-Maschinen auch Kryptowährungs-Miner installiert – ein Zeichen auf potenzielle Hybridisierung zwischen staatlichen Auftraggebern und privatem Cyberkriminalismus.
Tatsächlich gibt es Hinweise, dass GreyVibe Verbindungen zu cyberkriminellen Strukturen hat. So wurden Verbindungen zur Gruppe UAC-0098 identifiziert, die aus früheren TrickBot-Mitgliedern besteht. Die WithSecure-Analysten vermuten, dass die Gruppe aus ehemaligen oder aktuellen Cyberkriminellen besteht, die entweder von staatlichen Akteuren absorviert wurden oder mit staatlicher Anleitung operieren.
Für deutsche Organisationen empfehlen Sicherheitsexperten, die von WithSecure veröffentlichten Indicators of Compromise (IoCs) zur Verteidigung zu nutzen. Gleichzeitig sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter verstärkt für KI-generierte Phishing-Inhalte sensibilisieren – diese sind zunehmend schwerer zu erkennen als klassische Spear-Phishing-Nachrichten.
