Manipuliertes Banking-SDK als Trojaner
Die Attacke auf das Sicoob-Ökosystem offenbart eine neue Dimension von Supply-Chain-Bedrohungen. Wenn Entwickler eine Instanz von “SicoobClient” mit Client-ID, PFX-Dateipfad und PFX-Passwort initialisierten, las das manipulierte Paket die PFX-Datei von der Festplatte, encodierte sie in Base64 und sendete alle sensiblen Daten an einen hardcodierten Sentry-Endpunkt – einen Fernmelde-Dienst für Error-Tracking, der hier als Datenkanal missbraucht wurde. Zusätzlich wurde die Boleto-API belauscht, Brasilien’s beliebtes Online-Zahlungssystem. Die exfiltrierten Daten ermöglichen es Angreifern, die Sicoob-API-Integration des Opfers zu imitieren und Transaktionen zu manipulieren oder finanzielle Daten zu missbrauchen.
Gelungene Täuschung durch GitHub-Repository
Besonders perfide: Der ursprüngliche GitHub-Repository wirkt legitim und aufgeräumt, während die Malware erst beim Upload zur NuGet-Registry eingefügt wurde. Google’s AI-Suchfunktion listete das Paket als echte C#-Bibliothek auf – Angreifer nutzten also maschinelle Indexierung zur Amplifikation. Das Profil “sicoob” hat elf weitere verdächtige Pakete veröffentlicht (rund 6.000 Downloads zusammen).
npm-Pakete mit Credential-Harvester
Parallel entdeckte Microsoft einen Credential-Harvester in 14 npm-Paketen, veröffentlicht am 28. Mai 2026 von “vpmdhaj”. Diese Pakete nutzen Dependency-Confusion und Brandjacking – sie ahmen bekannte OpenSearch-, ElasticSearch- und DevOps-Bibliotheken nach, starten via Preinstall-Hook und ernten AWS-Keys, npm-Tokens und CI/CD-Secrets aus der Host-Umgebung.
“Manufactured Legitimacy” statt Typosquatting
Sonatype warnt: Das klassische Typosquatting ist überholt. Moderne Angreifer nutzen Prefix/Suffix-Addition, Scope-Manipulation oder Namenswahl, die in legitimen Workflows routine wirken. Dies ist nicht Täuschung durch Tippfehler, sondern «konstruierte Legitimität» – systematisches Social Engineering gegen Entwickler.
Konsequenzen für deutsche Nutzer
Betrogene Organisationen sollten sofort handeln: Sicoob.Sdk entfernen, PFX-Material als kompromittiert behandeln, Zertifikate ersetzen, Passwörter rotieren und Audit-Logs prüfen. Für deutsche Firmen gilt: Supply-Chain-Attacken fallen unter DSGVO-Meldepflicht (Benachrichtigung innerhalb 72 Stunden), das BSI bietet Koordination an.
