Chris Mufarrige, Leiter des FTC-Verbraucherschutzbüros, setzt auf fokussierte Durchsetzung statt expansiver Regelwerk – mit Schwerpunkt auf Kinderdatenschutz, Altersverifizierung und konkretem Verbraucherschaden statt ideologischer Umgestaltung der Technologiewirtschaft.
Chris Mufarrige, Direktor des Verbraucherschutzbüros der US-Handelskommission (FTC), hat die Regulierungsstrategie der Behörde deutlich neuausgerichtet. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Lina Khan verfolgt er einen pragmatischeren Kurs, der sich auf konkrete Verbraucherschäden konzentriert – nicht auf grundsätzliche Wirtschaftsreformen.
In einem ausführlichen Interview mit Recorded Future News betonte Mufarrige: “Wir versuchen nicht, die Wirtschaft umzugestalten.” Sein Fokus liegt auf dem Schutz von Kinderdaten, der Verfolgung von Datenpannen und der Überwachung großer Technologiekonzerne wie Meta.
Bei der Altersverifizierung zeigt sich Mufarrige ungewöhnlich optimistisch. Er sieht in dieser Technologie einen vielversprechenden Weg, um Kinder online zu schützen und Anforderungen der Children’s Online Privacy Protection Rule (COPPA) zu erfüllen. Die technologische Weiterentwicklung ermögliche es zunehmend, zuverlässig zu identifizieren, ob Nutzer Kinder sind – eine zentrale Herausforderung bei der Durchsetzung von Kinderschutzbestimmungen.
Zu Metas geplanter Gesichtserkennung in Smart Glasses signalisierte Mufarrige Wachsamkeit: Meta unterliege einer “äußerst robusten Anordnung” wegen Datenschutzverletzungen. Die FTC beobachte das Unternehmen ständig und werde bei Verstößen sofort eingreifen.
Bei künstlicher Intelligenz verfolgt die FTC unter Mufarrige einen anderen Ansatz als unter Khan. Während die vorherige Administration substantielle KI-Regulierung anstrebte, konzentriert sich die aktuelle Behörde auf konkrete Betrügereien und irreführende Praktiken. Eine pauschale KI-Regulierung sei nicht Aufgabe der FTC, so Mufarrige.
Gegen Datenmakler geht die FTC weiterhin vor – aktuell gegen Kochava in einem laufenden Verfahren. Mufarrige versandte zudem 13 Briefe an Datenmakler zur Überprüfung ihrer Einhaltung des “Protecting American Data from Foreign Actors Act”. Allerdings hat Mufarrige, anders als Khan, keine neuen pauschalen Durchsetzungsmaßnahmen gegen die Branche eingeleitet.
Auf Fragen zu “Surveillance Pricing” – dynamische Preisgestaltung basierend auf Verbraucherdaten – reagierte Mufarrige skeptisch gegenüber dieser von der Khan-Ära geprägten Terminologie. Er bevorzugt konkretere Definitionen: Wenn Unternehmen Daten missbrauchen, um Verbraucher auszunutzen, schreite die FTC ein. Aber vage Begriffe wie “Surveillance Pricing” oder “Dark Patterns” seien eher politische Schlagwörter.
Ein neuer Schwerpunkt liegt auf Finanz-Apps für Teenager – von Prepaid-Karten bis zu digitalen Geldbörsen. Mufarrige, der aus der Finanzbranche kommt, sieht hier ein emerging Privacy-Risiko.
Bei der Personalausstattung beteuert Mufarrige, dass die FTC in den letzten Monaten massiv eingestellt habe und weitere Stellen ausgeschrieben seien – insbesondere für die Umsetzung des neuen “Take It Down Act”, das die nichtkonsentierte Veröffentlichung von Intimbildern unter Strafe stellt. Die Behörde werde “mit Vollgas” starten, wenn die Autorität in Kraft tritt.
Gegenüber dem früheren Fokus auf expansive Regelwerke setzt Mufarrige auf “traditionelle Verbraucherschutzfälle mit messbarem und substanziellem Schaden”. Die Frage, ob Datenpraktiken Verbrauchern nutzen oder schaden, könne die FTC nicht ignorieren – schließlich müsse sie vor Gericht argumentieren können. Deshalb analysiere man auch positive Effekte von Datenverwertung, nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus pragmatischer Notwendigkeit für erfolgreiche Durchsetzung.
Quelle: The Record
