Die Schwachstelle wurde bereits Mitte März der Gogs-Entwicklergemeinde gemeldet. Obwohl die Maintainer die Benachrichtigung bestätigten, liegt bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Patch vor. Rapid7 hat parallel zur Veröffentlichung ein Metasploit-Modul bereitgestellt, das die komplette Exploit-Kette automatisiert.
Technischer Hintergrund: Argument Injection in Git Rebase
Die Lücke ist eine Argument-Injection-Schwachstelle, die im “Rebase before merging”-Merge-Prozess ausgenutzt wird. Während eines Standard-Merge ein Merge-Commit erstellt wird, werden bei einem Rebase die Commits des Head-Branch auf dem Base-Branch als lineare Historie überspielt. Das kritische Problem: Die Merge-Funktion übergibt den Branch-Namen des Pull-Requests an die git-rebase-Funktion, ohne nachfolgende Argumente zu validieren oder zu filtern.
Angreifer können so das Flag --exec in die rebase-Befehlszeile injizieren. Dieses Flag instruiert Git, einen Shell-Befehl nach jedem erneut eingespielten Commit auszuführen. Durch gezielt manipulierte Branch-Namen lassen sich beliebige Befehle einschleusen.
Besonders kritisch: Die “Rebase before merging”-Funktion ist zwar nicht standardmäßig aktiviert, aber jeder Repository-Owner oder Administrator kann sie mit einem Klick aktivieren. Da Gogs offene Registrierung und unbegrenzte Repository-Erstellung standardmäßig erlaubt, kann jeder unauthentifizierte Angreifer ein Konto erstellen und diese Exploit-Kette ohne Benutzerinteraktion durchführen.
Ausmaß des Schadens
Erfolgreich ausgenutzt, ermöglicht die Lücke dem Angreifer:
- Beliebige Befehlsausführung mit den Rechten des Gogs-Server-Prozesses
- Zugriff auf alle Repositories der Instanz, einschließlich privater Repos anderer Nutzer
- Diebstahl von Anmeldedaten, Password-Hashes, API-Token, SSH-Schlüsseln und 2FA-Secrets
- Lateral Movement in andere Systeme des Netzwerks
- Manipulation von Repository-Code
Betroffene Systeme
Gogs-Server auf Windows, Linux und macOS in Standardkonfiguration sind anfällig. Besonders gefährdet sind Multi-User-Instanzen, wie sie häufig in Organisationen eingesetzt werden.
Rapid7 hat neben dem Metasploit-Modul auch Indicators of Compromise (IoCs) veröffentlicht, um Administratoren bei der Suche nach möglichen Kompromittierungen zu unterstützen.
Historischer Kontext: Zweite Zero-Day in Gogs
Dies ist bereits die zweite Zero-Day-Schwachstelle in Gogs innerhalb von sechs Monaten. Im Dezember offenbarte Wiz CVE-2025-8110, eine improper Symbolic Link Handling-Lücke, die monatelang als Zero-Day ausgenutzt wurde.
Handlungsempfehlungen für Administratoren
Gogs-Betreiber sollten sofort überprüfen, ob die “Rebase before merging”-Funktion in ihren Repositories aktiviert ist, und diese deaktivieren, bis ein Patch verfügbar ist. Zusätzlich sollten Server- und Zugriffslogs auf verdächtige Aktivitäten überwacht werden.
