Die Affäre um die Zero-Day-Veröffentlichungen wirft wichtige Fragen zur Verantwortung von Softwareherstellern auf. Microsoft bezeichnet die unkoordierten Offenlegungen als “nie zu rechtfertigen”. Doch diese Position wird von Sicherheitsexperten wie Katie Moussouris, Gründerin von Luta Security und Architektin von Microsofts ursprünglichem Bug-Bounty-Programm, kritisch hinterfragt. Sie weist darauf hin, dass Begriffe wie “responsible disclosure” von Herstellern oft als Waffe gegen Forscher eingesetzt werden.
Bislang hat Nightmare Eclipse sechs Schwachstellen veröffentlicht. Die ersten drei – BlueHammer, UnDefend und RedSun (alle April 2024) – wurden bereits in echten Angriffen ausgenutzt und sind in der CISA-Liste der bekannten exploitierten Schwachstellen aufgeführt. Die drei neueren Veröffentlichungen (YellowKey, GreenPlasma und MiniPlasma) sind bislang noch nicht gepatcht.
Der Forscher hat weitere Veröffentlichungen für den 14. Juli angekündigt – den Microsoft Patch Tuesday. Die Drohung “make sure your bones are shattered that day” verdeutlicht die Eskalation des Konflikts.
Microsofts Reaktion bleibt diplomatisch, aber mit scharfer Botschaft: Die Digital Crimes Unit könne gegen Ermöglicher von Cyberkriminalität vorgehen. Allerdings zeigt sich in der Branche Verständnis für die Frustration des Forschers. Trend Micro kritisierte Microsoft 2024 für mangelnde Anerkennung einer gemeldeten Schwachstelle. Tenable-CEO beschuldigte den Konzern 2023, Kunden bewusst im Dunkeln zu lassen. Check Point-Forscher Haifei Li betont, dass koordinierte Offenlegung nicht einseitig sein darf.
Moussouris warnt: Nicht-Offenlegung sei schlimmer als unkontrollierte Veröffentlichungen. “Was treibt Forscher zur Nicht-Offenlegung? Drohungen von Herstellern.”
Für deutsche Organisationen ist die Lehre klar: Schwachstellenmanagement erfordert Vertrauen. Unternehmen sollten ihre Sicherheitsforschungs-Prozesse überprüfen und das BSI bei kritischen Fällen einbeziehen. Die Meldepflicht nach DSGVO (Artikel 33) beginnt ohnehin nach Kenntnisnahme – schnelle Koordination ist rechtlich und sicherheitstechnisch geboten.
