Die von Push Security entdeckte Kampagne demonstriert ein neues Niveau der Kriminalität: Statt auf klassischen Phishing-Seiten mit gefälschten Domains zu arbeiten, nutzen die Angreifer die technische Infrastruktur von OpenAI selbst. Benutzer, die über Google-Ads nach ChatGPT suchen, werden auf eine legitime ChatGPT-Sharing-Seite (chatgpt.com/s/) geleitet. Dort sehen sie statt eines Chat-Gesprächs eine gefälschte Fehlermeldung: „Wir erfahren gerade hohes Aufkommen. Unsere Website ist vorübergehend nicht verfügbar. Laden Sie unsere Desktop-App herunter, um fortzufahren.”
Das ist nicht einfach ein Screenshot, sondern echtes HTML und CSS, das über ChatGPTs eigene Rendering-Fähigkeiten angezeigt wird. Das macht die Seite für viele Sicherheitstools praktisch unsichtbar und erhöht die Täuschungskraft erheblich.
Klicken Nutzer auf den Download-Button, landen sie auf openew[.]app – eine Website, die sich als offizielles OpenAI-Download-Portal ausgibt. Hier kommt eine weitere perfide Technik zum Einsatz: Cloaking. Sicherheitsplattformen wie URLScan sehen beim Besuch eine harmlose AR/VR-Firmenwebseite, während echte Nutzer auf Malware-Download-Seiten für Windows und macOS weitergeleitet werden.
Tests zeigen, dass die Windows-Variante Befehle ausführt, um zu prüfen, ob das Zielgerät ein echter Computer oder eine Virtual Machine ist – ein klassisches Erkennungsvermeidungs-Verfahren. Frühere Kampagnen dieser Art verteilten hauptsächlich Infostealers, Malware, die Login-Daten und sensible Informationen stiehlt.
Besonders besorgniserregend: Push Security beobachtete auch Missbrauch von Anthropics Claude Artifacts mit ähnlichen ClickFix-Angriffen. Das zeigt ein systematisches Problem bei KI-Plattformen: Ihre Sharing-Features wurden für Produktivität gebaut, nicht mit Missbrauchscenarios.
Für deutsche Unternehmensnutzer ist das ein Warnzeichen: KI-Tools sind produktiv, aber ihre Sicherheit ist noch nicht vollständig ausgereift. Das BSI empfiehlt grundsätzliche Vorsicht bei verdächtigen Download-Aufforderungen und Multi-Faktor-Authentifizierung. Unternehmen sollten zudem Mitarbeiter schulen, dass selbst Links von vertrauten Plattformen böswillig sein können, wenn sie zu Downloads führen.
