Für den Rückstand machen UIB und CyberCube mehrere Gründe verantwortlich: eine uneinheitliche Qualität der Sicherheitsvorkehrungen, die rasche Digitalisierung der vergangenen Jahre sowie eine Bedrohungslage, die mit eben dieser Digitalisierung mitgewachsen ist. Mit aggressiveren und geschickter agierenden Angreifern stiegen zugleich die Anforderungen der Versicherer, etwa an die Sicherheitslage der Kunden.

Zugleich sehen die Autoren in der geringen Marktdurchdringung eine Wachstumschance. Wachsender Wettbewerb habe die Cybersparte weltweit in das dritte Jahr in Folge mit sinkenden Tarifen getrieben, da das Angebot die Nachfrage weiter übersteige. Das führe zu weiteren Zugeständnissen bei Prämien, Deckung und geforderten Sicherheitsmaßnahmen.

Parallel dazu verschärft sich die Bedrohungslage, wie mehrere aufsehenerregende Vorfälle bei großen asiatischen Organisationen zeigen. Die Singapur-Niederlassung der Bank of China erlitt im April 2025 einen Ransomware-Angriff. Der japanische Bierhersteller Asahi wurde im September desselben Jahres von der Ransomware-Gruppe Qilin attackiert, was zu tagelangen Produktionsstillständen führte.

Die Beratungsfirma S-RM beobachtete in einer im Januar veröffentlichten Untersuchung einen deutlichen Anstieg von Ransomware-Angriffen in der Region: Doppelt so viele Organisationen wie im Vorjahr seien auf Leak-Seiten genannt worden. Qilin war im vergangenen Jahr die aktivste Gruppe gegen Ziele in Asien, doch das könnte sich ändern: Laut Cyble entfiel auf die Gruppe The Gentlemen fast jeder vierte Ransomware-Angriff. Der APAC-Bericht von Cyble für das erste Quartal 2026 verweist zudem auf eine massive Zunahme in Indien mit einem Anstieg der Vorfälle um 165 Prozent zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026.

Wie in Lateinamerika sowie im Nahen Osten und Afrika sind die Sicherheitsvorkehrungen in Asien über Organisationen und Länder hinweg uneinheitlich – ein Problem, das die rasche digitale Expansion zusätzlich verschärft. Vietnam etwa, das in den vergangenen Jahren ein starkes digitales Wachstum erlebte, zählt inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Zielen für Ransomware-Angriffe. Der erwähnte Aon-Bericht stellte zugleich eine insgesamt verbesserte Cyber-Reife unter den APAC-Organisationen fest.

Rich Seiersen, Chief Risk Technology Officer bei Qualys, sagt gegenüber Dark Reading, Asien sei nicht in besonderer Weise ins Visier genommen; jeder sich schnell digitalisierende Markt mit wachsender Angriffsfläche ziehe sowohl opportunistische Cyberkriminalität als auch staatlich gesteuerte Aktivitäten an. Je vernetzter, cloudbasierter und stärker auf digitale Systeme angewiesen Volkswirtschaften würden, desto attraktiver würden sie als Angriffsumgebung. In einigen Ländern komme eine uneinheitliche Regulierung hinzu, dazu unterschiedliche Reifegrade und eine erhöhte geopolitische Aufmerksamkeit rund um kritische Infrastruktur, Telekommunikation, Fertigung und Lieferketten.

Eine Kernaussage des Berichts lautet, dass der asiatische Markt zwar wegen der schnellen Digitalisierung und der gemischten Sicherheitslage zurückblieb, gerade deshalb aber Wachstumspotenzial besitze. Viele Unternehmen hätten ihr tatsächliches finanzielles Risiko durch Cyberbedrohungen nicht klar im Blick, arbeiteten ohne interne Sicherheitsführung und ohne spezialisierte IT-Sicherheitsteams. Eine Cyberversicherung diene als vergleichsweise günstige finanzielle Absicherung gegen Betriebsunterbrechungen und Ransomware. Tatsächlich gab es bereits Wachstum: Zwischen 2024 und 2025 stieg die Abschlussrate bei asiatischen Unternehmen aller Größen dem Bericht zufolge um mehr als 100 Prozent.