Nach Angaben von Juha Martelius, Direktor des finnischen Sicherheits- und Nachrichtendienstes, will Moskau Technologie stehlen, um in den kommenden Jahrzehnten mit dem Westen mithalten zu können oder sich einen Vorsprung zu verschaffen. Konkret nannte er Weltraumtechnik, Quantentechnologie sowie arktische und maritime Technologien. Weltraumtechnik benötige Russland „gerade jetzt", sagte Martelius, ohne dies näher auszuführen. Solche Technik werde unter anderem für Satellitenaufklärung, Kommunikation und Navigation eingesetzt. Russland sei zudem auf sanktionierte Computertechnik und Software-Updates für Werkzeugmaschinen angewiesen.
Anne Keast-Butler, Direktorin des britischen Nachrichtendienstes für elektronische Aufklärung, warf Russland vor, das Vereinigte Königreich und seine europäischen Verbündeten „unerbittlich ins Visier" zu nehmen – durch Technologiediebstahl sowie geplante Sabotage- und Mordanschläge.
Die schwedische Polizei nahm zwei Personen fest, denen ein Verstoß gegen Sanktionen vorgeworfen wird. Sie stehen im Zusammenhang mit einem Unternehmen in der Türkei, das Dutzende Lieferungen von Metallbearbeitungs- und Metalldrehmaschinen nach Russland abgewickelt haben soll. Da die Beschaffungsmethoden immer komplexer würden, müssten sich Unternehmen stärker bewusst machen, dass sie unwissentlich Teil der russischen Kriegslieferkette werden könnten, sagte Wedelin. Alle russischen Sicherheits- und Nachrichtendienste unterstützten die staatlichen Bemühungen.
Moskau setze außerdem Cyberangriffe gegen europäische Firmen und kritische Infrastruktur ein, um Informationen zu sammeln, die es ausnutzen könne, „wenn sich die Gelegenheit bietet und es ihren Zwecken dient", so Wedelin. Er verwies auf einen Angriff auf ein schwedisches Kraftwerk im vergangenen Jahr. Mit Russland verbundene Akteure hätten versucht, die Anlage zu „zerstören", seien aber gescheitert, weil das System den Angriff erkannt habe. Der Angriff habe teils darauf gezielt, die westliche Unterstützung für die Ukraine zu untergraben. Zuvor hätten Schwedens Sicherheitsdienste überwiegend Aufklärung für mögliche Angriffe, Informationsbeschaffung oder Aktivitäten von Cyberkriminellen beobachtet. Der Angriff markiere einen Wandel in Russlands Vorgehen: Moskau kümmere sich weniger um eine spätere Zuordnung der Taten und gehe größere Risiken ein.
Die zunehmend aggressive Vorgehensweise könnte wachsende interne Sorgen über die russische Wirtschaft widerspiegeln, sagte Kaupo Rosin, Leiter des estnischen Auslandsnachrichtendienstes. Etwa ein Drittel des russischen Bruttoinlandsprodukts fließe derzeit in die Kriegsanstrengungen, so Martelius. Krieg und Sanktionen hätten das Wachstum gebremst und eine hartnäckige Inflation angeheizt. Russland habe für 2026 ein Haushaltsdefizit von 3,7 Billionen Rubel (52,1 Milliarden Dollar) geplant, bis Ende Februar aber bereits rund 3,4 Billionen Rubel (47,9 Milliarden Dollar) erreicht, sagte Rosin.
Gestiegene Einnahmen durch höhere Ölpreise hätten den Haushalt wahrscheinlich verbessert, doch „das rettet sie nicht", sagte Rosin; bei anhaltendem westlichem Druck könne Moskau gegen Jahresende in eine Finanzkrise geraten. Laut Erkenntnissen seines Dienstes habe sich die Stimmung unter russischen Offiziellen in den vergangenen sechs Monaten eingetrübt; das Narrativ vom „totalen Sieg" sei verschwunden. Keast-Butler erklärte, seit der umfassenden Invasion 2022 seien fast 500.000 russische Soldaten in der Ukraine getötet worden. Martelius warnte zugleich davor, Russland so zu analysieren, „als wäre es ein Land wie unseres. Das ist es nicht."
