Die Schwachstelle wurde bereits im April dieses Jahres bekannt gemacht und steht im Zusammenhang mit systemischen Sicherheitsmängeln im MCP-Protokoll (Model Context Protocol) von Anthropic, das sich schnell in der KI-Ökosystem-Infrastruktur verbreitet hat.
Flowise, eine der beliebtesten Plattformen dieser Art mit über 52.000 Sternen auf GitHub, erlaubte vor Version 3.1.0 allen Benutzern, neue MCP-Verbindungen zu konfigurieren und dabei beliebige Befehle hinzuzufügen. Dies führte zu einer Command-Injection-Anfälligkeit, die direkten Zugriff auf das Betriebssystem ermöglichte.
Wie der Angriff funktioniert
Die Ausnutzung ist bemerkenswert einfach: Ein Angreifer kann eine böswillige Konfiguration in einer Custom-MCP-Tool-Einstellung platzieren, die Chatflow als JSON-Datei exportieren und dem Opfer zuschaffen. Beim Import wird die manipulierte Konfiguration vom System verarbeitet und der eingebettete Befehl automatisch ausgeführt – ohne dass der Benutzer weitere Aktionen durchführen muss.
Das technische Kernproblem liegt in der Funktionsweise des MCP-Adapters: Wenn eine importierte Chatflow auf dem Canvas dargestellt wird, fragt das System den Backend automatisch nach den verfügbaren Tools des konfigurierten MCP-Servers. Bei der Verwendung von stdio-Transport startet dieser Enumerierungsprozess den im Konfigurationsdatensatz hinterlegten Befehl. Die böswillige Aktion erfolgt damit völlig unbemerkt während des Import-Vorgangs.
Ausmaß der Bedrohung
Obsidian Security warnt vor katastrophalen Konsequenzen: Bei erfolgreicher Ausnutzung erhalten Angreifer Zugriff auf Betriebssystem-Ebene mit denselben Privilegien wie der Flowise-Prozess – oft root in containerisierten Umgebungen. Dies bedeutet, dass sämtliche in der Plattform gespeicherten Anmeldedaten lesbar sind und alle verbundenen Services und Cloud-Konten kompromittiert werden können. In produktiven Umgebungen, wo Flowise typischerweise mit Datenbanken, APIs und Cloud-Diensten verbunden ist, potenziert sich das Schadensausmaß erheblich.
Betroffene und sichere Versionen
Selbstgehostete Flowise-Instanzen sind standardmäßig verwundbar. Flowise Cloud ist nicht betroffen, da stdio MCP dort deaktiviert ist. Nutzer sollten dringend auf Version 3.1.0 oder höher aktualisieren.
Für deutsche Organisationen bedeutet dies: Unmittelbare Inventarisierung aller Flowise-Deployments, schnelle Patch-Management und Überprüfung von Zugriffsprotokollen auf verdächtige Aktivitäten sind erforderlich.
