Bradley, der die schwierigsten und gefährlichsten Operationen des Militärs verantwortet, formulierte seine Mahnung, während Hegseth genau in die entgegengesetzte Richtung drängt. Vor Mitarbeitern von SpaceX sagte der Verteidigungsminister im Januar, er werde jedes KI-Modell ablehnen, das es nicht erlaube, „Kriege zu führen"; seine Vorstellung seien Systeme, die „ohne ideologische Einschränkungen" arbeiteten, die rechtmäßige militärische Anwendungen begrenzten.
Präsident Donald Trump sagte die Unterzeichnung einer neuen KI-Verordnung kurzfristig ab – Stunden vor einer erwarteten Zeremonie im Weißen Haus – aus Sorge, die Maßnahme könne Amerikas Vorsprung schmälern. „Wir liegen vor China, wir liegen vor allen, und ich will nichts tun, was diesem Vorsprung im Weg steht", sagte er.
Ein Pentagon-Vertreter, der anonym bleiben wollte, betonte, man konzentriere sich darauf, mit KI „funktionale Werkzeuge für das Schlachtfeld" zu schaffen, mit denen Truppen Ziele schneller bestimmen und Angriffe beschleunigen könnten. Vertreter des Special Operations Command beschrieben KI dagegen weniger als Mittel zur Ausschaltung von Zielen, sondern als Entlastung. Sergeant Major Andrew Krogman sagte, KI könne Verwaltungsaufgaben übernehmen, und die für Beschaffung zuständige Melissa Johnson erklärte, KI solle „die kognitive Belastung bei eintönigen Aufgaben verringern" – sie ersetze nicht das Urteil der Operateure, sondern verbessere es.
Helen Toner, kommissarische Direktorin des Center for Security and Emerging Technology der Georgetown University, hält beide Darstellungen für zutreffend. Generalleutnant Michael Conley, Chef des Air Force Special Operations Command, berichtete einem Kongressausschuss, seine Truppen hätten während des Iran-Kriegs KI-„Bots" genutzt, um streng geheime Informationen binnen Sekunden auf die Stufe „geheim" herabzustufen und so leichter mit Drohnenpiloten zu teilen.
Zugleich hilft KI dem Militär nachweislich beim Auffinden und Bekämpfen von Zielen. Toners Zentrum veröffentlichte eine Fallstudie darüber, wie das 18th Airborne Corps der Army KI für Artillerieschläge einsetzte – „so effizient wie die beste Einheit der jüngeren amerikanischen Geschichte" und mit 2.000 Soldaten weniger.
Besonders öffentlich tritt der Konflikt im Streit zwischen Hegseth und Anthropic zutage. Das Unternehmen sorgt sich um eine ungeprüfte staatliche Nutzung seiner Technologie, etwa vollständig autonome bewaffnete Drohnen und KI-gestützte Massenüberwachung, die abweichende Meinungen verfolgen könnte. Nachdem CEO Dario Amodei sich weigerte einzulenken, warfen Trump und Hegseth dem Unternehmen vor, die nationale Sicherheit zu gefährden.
Das Pentagon stufte die in San Francisco ansässige Firma förmlich als Lieferkettenrisiko ein, beendete ihren Verteidigungsvertrag über 200 Millionen Dollar und untersagte anderen Regierungsauftragnehmern die Zusammenarbeit. Anthropic klagte und wirft dem Pentagon vor, sich rechtswidrig zu rächen, indem es eine eigentlich gegen Sabotage durch ausländische Gegner gedachte Einstufung missbrauche. Das Pentagon verwies seither auf Anthropic-Konkurrenten wie Google, OpenAI und SpaceX.
Toner, früheres Vorstandsmitglied von OpenAI, erklärte, die Öffentlichkeit unterschätze oft, wie vorsichtig das US-Militär mit neuen Technologien umgehe: Kommandeure wollten erfolgreiche Einsätze – also tödliche Wirkung in großem Maßstab erzielen und zugleich Beschuss eigener Kräfte, zivile Opfer oder falsch bestimmte Ziele vermeiden.
